Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV 1. 
Zustand der Dinge. Abgesehen von Domingo und Guade 
loupe, wo die aufständischen Neger die Oberhand behalten 
hatten, war das übereilte Gesetz vom 4. Februar 1794, welches 
den Sklaven die Freiheit gegeben hatte, nirgends ausgeführt 
worden. Die Wiedereinführung der Sklaverei verursachte hier 
mithin keine Schwierigkeiten. Der Plantagenbau konnte in alter 
Weise und mit dem gewohnten Erfolge seit 1802 wieder auf 
genommen werden. Napoleon war aber klug genug, den Ver 
hältnissen da, wo sie anders lagen, wie auf Domingo, Rechnung 
zu tragen und die mit vieler Mühe wieder hergestellte Ord 
nung durch die Wiedereinführung der Sklaverei nicht von 
neuem aufs Spiel zu setzen. Auf Domingo schlofs er sich den 
von dem Negergeneral Toussaint getroffenen Reformen an. 
Letzterer hatte nach den langen Jahren des Aufruhrs und der 
Kapitalverwüstung seit 1795 die Herrschaft an sich gerissen 
und durch sein straffes Regiment der schwergeprüften Insel 
endlich Ruhe und Frieden wiedergegeben. Die geflüchteten 
weifsen Pflanzer rief er zurück, setzte sie auf ihren Plantagen 
wieder ein, befreite sie von den alten Schulden und gab ihnen 
vor allem ihre früheren Arbeitskräfte wieder. Den Negern 
wurde zwar nominell die Freiheit geschenkt; sie wurden aber, 
zunächst auf fünf Jahre, einem Arbeitszwangsystem, das auf 
militärischer Grundlage beruhte, unterworfen (Thiers, XVI, 
S. 174). Diese Arbeitsverfassung liefs Napoleon, da sie sich 
gut bewährt hatte, unangetastet. Unter der energischen Re 
gierung Toussaints hatte sich Domingo sichtlich erholt. Mit 
den Nordarmerikanern wurden viele Handelserleichterungen 
vereinbart (Roloff, S. 48). Thiers (XVI, S. 176) bekundet über 
den damaligen Zustand: La terre de 8t. Domingue, arrosée 
de tant de sang, offrait un aspect de fertilité presque égal à 
celui qu’elle présentait en 1789! Les traces de la guerre y 
étaient presque effacées . . . L’île avait ressenti de la libre 
présence des pavillons étrangers, surtout du pavillon américain, 
un avantage infini!“ England bot bei der Räumung von 
Port-au-prince (1802) Toussaint die Königskrone an, wenn er 
ihm den Handel der Insel überliefs, ein Beweis für die 
Wichtigkeit, die es dem dominguischen Handel beilegte (eben 
dort S. 180). Doch: „The American States . . . had received 
exclusive privileges, which centred all the benefits of the 
trade in them ; while great loss was sustained by the merchants 
of Kingston and Montego Bay (auf Jamaica) ! (Bridges 11, 
8. 259, auch Journals of the Jamaica Assembly, vol. X. 
p. 410.) 
Die Verbesserung der französisch - nordamerikanischen 
Handelsbeziehungen gereichte in gleicher Weise auch den mit 
Frankreich verbündeten Kolonien zum Vorteil. Der Seekrieg 
der 1790er Jahre hatte die holländischen Kolonien von allem 
Verkehr mit der Aufsenwelt abgeschnitten und den Verkehr
	        
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