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der spanischen Besitzungen recht erschwert. Auf Grund des
erwähnten Abkommens wandten sich auch ihnen nordameri
kanische Schiffe und nordamerikanisches Kapital seit 1800
wieder zu. Die reichen Bodenschätze von Kuba, Spanisch-
Domingo, Mexiko und Südamerika boten dem amerikanischen
Unternehmungsgeiste ein weites Feld zur Betätigung. Unter
amerikanischem Einflufs entwickelten sich diese Gebiete uner
hört rasch (siehe de Sismondi, S. 39). Es waren Länder
darunter, die bisher kein einziges Stück Zucker exportiert
hatten und jetzt einen blühenden Exporthandel unterhielten
(A. V. Humboldt, II, cap. VII, Bd. II, S. 39). Mexiko, 1782
noch unbekannt als Zucker exportierendes Land, verschickte
1802 davon allein über Veracruz 120 000 quintals. Kuba
hatte seine Zuckerproduktion von 1792 bis 1803 von 400 000
auf 1 Million quintals gesteigert, d. h. es förderte 1803 eben
soviel wie Spanisch-Domingo zur Zeit seiner gröfsten Produk
tivität (ibid. IV, cap. X, Bd. 3, S. 185).
Dazu gesellte sich das Angebot von Zucker und Kaffee
aus Ostindien, dessen Konkurrenz sich damals fühlbar zu
machen begann. In Bengalen, Birma, Südchina, Peddapore,
Zemindar usw. produzierte man auf ertragreicherem Boden und
mit freien Arbeitern viel billiger als auf den britischen An
tillen. Die Furcht vor der ostasiatischen Konkurrenz war
damals unter den westindischen Zuckerpflanzern nicht gering,
wie die seit 1805 eingeführten Differentialzölle auf ost- und
westindischen Zucker lehren (Sismondi S. 38).
Von Wichtigkeit ist die Bemerkung, daß der schnelle
Bruch des Seefriedens im Sommer 1803 an dieser für Britisch-
Westindien so mifslichen Lage bis zum Jahre 1807 nichts
änderte. Großbritannien gewann nicht das Seemonopol zurück,
wie es die britische Handelswelt gehofft und von 1795—-99
besessen hatte. England hatte nach 1803 genug mit sich
selbst zu tun. Die Furcht vor einer Landung Napoleons in
England oder Ägypten hielt die Hauptmacht der britischen
Flotte jahrelang in den europäischen Gewässern zurück. Noch
im März 1806 „lastete der Gedanke, dafs Napoleon an dem
britischen Gestade plötzlich erscheinen könnte, auf allen Gemütern
in England“ (Thiers, VI, S. 431). In Westindien und dorthin
unterwegs waren nach der Schlacht bei Trafalgar nur vier
Linienschiffe gegen 109 in Europa (Poss. Ann. 1806). Damit
konnte Grofsbritannien den feindlichen Kolonialhandel nicht
ernstlich schädigen und mußte sich in Amerika auf die Vei-
teidigung beschränken. Dazu kam die drohende Haltung c ei
von England beleidigten Neutralen, Dänemarks, Schwedens,
Preufsens und namentlich der Vereinigten Staaten. Im rrüh-
jahr 1806 ließ sich der Präsident von Nordamerika ei-
mächtigen, britischen Schiffen den Zutritt zu amerikanischen
Häfen zu verweigern, als Vergeltung für die Gewalttaten, die