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amerikanische Häfen leitete, dort verfeinerte (Melasse oder
Zucker zu Rum usw.) und dann erst nach Europa ver
schiffte. In der umgekehrten Richtung führten die Ver
einigten Staaten viele eigene und fremde Manufakturartikel in
Mittelamerika ein.
Das schnelle Wachstum ihres auswärtigen Handels zeigt
folgende Tabelle (Pitkin, ch. X):
Tonnengehalt der im auswärtigen Handel der
Vereinigten Staaten beschäftigten Schiffe.
1793 367 734 Tonnen
1795 529470 „
1800 669197 „
1801 718549 „
1803 597157 (Einflufs des Friedens
von Amiens)
1805 749341 „
1807 848306 *
Die rasche Zunahme erregte in England die schwersten
Bedenken. Die Abgeordneten Mr. Rose und Lord Sheffield
(H. o. L., 12. Mai 1806) behaupteten, obwohl vielleicht
mit einiger Übertreibung, dais die Zunahme des fremden
Handels zu der des britischen wie 12 : 1 sich verhielte! 1789
wären auf 100 im britischen Handel beschäftigte Schifistonnen
nur 8 fremde gekommen, 1801 dagegen 68! Derartige Be
rechnungen verraten aber, mit welcher Eifersucht das An
wachsen der neutralen Handelsflotten bemerkt worden ist.
„Keine englische Ware ostindischen Ursprungs“ — klagt
Mr. Rose am 21. April 1806 im Unterhaus, „findet ihren
Weg in die spanischen oder selbst britischen Kolonien, es
sei denn durch amerikanische Hände.“ Die unausgesetzten
Klagen und Interpellationen über zu häufige Aufhebung der
Navigationsakte in Westindien entsprangen demselben Angst
gefühl.
Die Vereinigten Staaten versorgten in den ersten sieben
Jahren des 19. Jahrhunderts Europa mit ebensoviel Kolo
nialwaren wie England. Dessen Handelsmonopol war da
mit tatsächlich durchbrochen. Die Ebenbürtigkeit, ja Über
legenheit der nordamerikanischen Kolonial Warenexporte im
Vergleich zu denen Grofsbritanniens veranschaulicht folgende,
dem Report on the commercial State of the West Indies, 1807
(S. 73—83) entnommene Gegenüberstellung:
Es exportierten im Rechnungsjahre 1805/6 an westindischen
Produkten (andere kamen kaum in Betracht) nach allen Teilen
der Welt: