Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV 1. 
dadurch viel von ihrem freiwilligen Charakter genommen. 
Ob man wollte oder nicht, das Auf hören des dänischen forderte 
unter den obwaltenden Umständen auch das des britischen 
auswärtigen Negerhandels. 
Dänemark hatte als erster europäischer Staat bereits durch 
das königliche Edikt vom 10. März 1792 seinem Sklaven 
handel ein Ende gesetzt. Das Verbot sollte jedoch erst am 
1. Januar 1803 in Kraft treten, um den dänischen Besitzungen 
in Westindien — St. Thomas, St. John und St. Croix — Zeit 
zu lassen, sich genügend mit Arbeitskräften zu versehen. Bis 
dahin sollte die Negerzufuhr, welche bisher das Vorrecht der 
„dänischen Ostsee und Guineeischen Handelsgesellschaft“ ge 
wesen war, allen Nationen freistehen. 
Ehe wir in der Darstellung der Beziehungen zwischen dem 
dänischen und englischen Sklavenhandel fortfahren, seien erst 
die wichtigsten Beweggründe für die dänische Abolition mitgeteilt. 
Der dänischen Regierung ist dieser Entschlufs nicht 
schwer gemacht worden. Es fehlte an jedem materiellen An 
reiz, den Menschenhandel weiterzuführen. Wie in England 
waren seine Entbehrlichkeit und seine Unrentabilität zwei 
Hauptursachen, welche seine Abschaffung herbeiführten. 
Dänisch-Westindien war gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
auf Sklavenzufuhren nicht mehr angewiesen. Seine Plantagen 
wirtschaft, die insgesamt nur 25—30 000 Sklaven beschäftigte, 
war zu unbedeutend und zu wenig entwicklungsfähig. Knapp 
2 000 Stück führten die drei Inseln jährlich für ihren eigenen 
Bedarf ein, wovon sogar noch ein Teil an das schwedische 
St. Bartholomeae abgegeben wurde (Brougham I, S. 532). Auf 
St. Croix, der bevölkertsten und bestangebauten von ihnen, 
galt eine Ausdehnung der vorhandenen Kulturen für ausge 
schlossen; denn seine Plantagen, auf der niemals mehr als 
20000 Neger arbeiteten (Knox, S. 119) waren vollbesetzt. 
Sie waren „so dicht bevölkert, dafs nicht wohl eine grofse 
Emigration hierher ihr Glück machen konnte“ (Isert, 270). 
„Das Land war bis auf einige Stellen ziemlich ausgesogen“ 
(ibid., S. 289). St. Thomas und St. John besafsen überhaupt 
nur je 2 000 oder wenig mehr Feldsklaven; ersteres war noch 
dazu vollständig unfruchtbar. Alle drei Inseln hatten die 
natürlichen Grenzen ihrer kolonialen Produktion erreicht. 
Die vorhandene Sklavenbevölkerung konnte sich ohne Im 
porte auf dem natürlichen Wege halten und vermehren, dank 
dem wohltätigen Einfluls kirchlicher Sekten, insbesondere der 
„Mährischen Brüder“ (P. Knox, S. 80 u. 111). Letztere hatten 
seit 1732/34 für die Bekehrung und menschliche Behandlung 
der Schwarzen gesorgt. „Es erscheint aufser Zweifel, dafs 
die dänischen Inseln ohne Negerhandel auskommen können, 
nachdem die Plantagen mit einer genügenden Zahl versehen 
worden sind . . .“ (Southey III, S. 50 ff.).
	        
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