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XXV 1.
dadurch viel von ihrem freiwilligen Charakter genommen.
Ob man wollte oder nicht, das Auf hören des dänischen forderte
unter den obwaltenden Umständen auch das des britischen
auswärtigen Negerhandels.
Dänemark hatte als erster europäischer Staat bereits durch
das königliche Edikt vom 10. März 1792 seinem Sklaven
handel ein Ende gesetzt. Das Verbot sollte jedoch erst am
1. Januar 1803 in Kraft treten, um den dänischen Besitzungen
in Westindien — St. Thomas, St. John und St. Croix — Zeit
zu lassen, sich genügend mit Arbeitskräften zu versehen. Bis
dahin sollte die Negerzufuhr, welche bisher das Vorrecht der
„dänischen Ostsee und Guineeischen Handelsgesellschaft“ ge
wesen war, allen Nationen freistehen.
Ehe wir in der Darstellung der Beziehungen zwischen dem
dänischen und englischen Sklavenhandel fortfahren, seien erst
die wichtigsten Beweggründe für die dänische Abolition mitgeteilt.
Der dänischen Regierung ist dieser Entschlufs nicht
schwer gemacht worden. Es fehlte an jedem materiellen An
reiz, den Menschenhandel weiterzuführen. Wie in England
waren seine Entbehrlichkeit und seine Unrentabilität zwei
Hauptursachen, welche seine Abschaffung herbeiführten.
Dänisch-Westindien war gegen Ende des 18. Jahrhunderts
auf Sklavenzufuhren nicht mehr angewiesen. Seine Plantagen
wirtschaft, die insgesamt nur 25—30 000 Sklaven beschäftigte,
war zu unbedeutend und zu wenig entwicklungsfähig. Knapp
2 000 Stück führten die drei Inseln jährlich für ihren eigenen
Bedarf ein, wovon sogar noch ein Teil an das schwedische
St. Bartholomeae abgegeben wurde (Brougham I, S. 532). Auf
St. Croix, der bevölkertsten und bestangebauten von ihnen,
galt eine Ausdehnung der vorhandenen Kulturen für ausge
schlossen; denn seine Plantagen, auf der niemals mehr als
20000 Neger arbeiteten (Knox, S. 119) waren vollbesetzt.
Sie waren „so dicht bevölkert, dafs nicht wohl eine grofse
Emigration hierher ihr Glück machen konnte“ (Isert, 270).
„Das Land war bis auf einige Stellen ziemlich ausgesogen“
(ibid., S. 289). St. Thomas und St. John besafsen überhaupt
nur je 2 000 oder wenig mehr Feldsklaven; ersteres war noch
dazu vollständig unfruchtbar. Alle drei Inseln hatten die
natürlichen Grenzen ihrer kolonialen Produktion erreicht.
Die vorhandene Sklavenbevölkerung konnte sich ohne Im
porte auf dem natürlichen Wege halten und vermehren, dank
dem wohltätigen Einfluls kirchlicher Sekten, insbesondere der
„Mährischen Brüder“ (P. Knox, S. 80 u. 111). Letztere hatten
seit 1732/34 für die Bekehrung und menschliche Behandlung
der Schwarzen gesorgt. „Es erscheint aufser Zweifel, dafs
die dänischen Inseln ohne Negerhandel auskommen können,
nachdem die Plantagen mit einer genügenden Zahl versehen
worden sind . . .“ (Southey III, S. 50 ff.).