fullscreen: Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns

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Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns. 9 
Im Jahre 1910 ist unsere Einfuhr aus Deutschland in der öster 
reichischen Statistik mit 1168 Millionen Kronen, in der deutschen 
— Mark auf Kronen umgerechnet — mit 986 Millionen Kronen 
ausgewiesen; unsere Ausfuhr nach Deutschland in der öster 
reichischen Statistik mit 992, in der deutschen mit 911 Millionen. 
Die Bilanz zu Gunsten Deutschlands beträgt nach unserer Rech 
nung 176, nach der deutschen 75 Millionen. Im Jahre 1900 war 
unsere Bilanz im Verkehr mit Deutschland nach unserer Statistik 
mit 306, nach der deutschen mit 330 Millionen aktiv. Die Ver 
schiebung zu unseren Ungunsten beträgt daher nach der einen 
Rechnung 482, nach der anderen 405 Millionen. Es ergibt sich 
hieraus, daß die absoluten Ziffern der realen Bilanz aus den 
statistischen Daten nicht mit Sicherheit entnommen werden können, 
dagegen die Verhältnisse im großen und, was die Hauptsache ist, 
ihre Entwicklung ungefähr richtig erfaßt werden. Zu dem gleichen 
Resultate wie die Wertziffern unserer Statistik führen die in der 
Einfuhr genau und in der Ausfuhr genauer als die Werte ver- 
zeichneten Mengen des Außenhandels und die alltägliche Be 
obachtung der Veränderungen, die in unserem Außenhandel ein 
getreten sind. Es unterliegt keinem Zweifel, daß unsere Handels 
bilanz sich um Hunderte Millionen nach der Passivseite hin ver 
schoben hat. 
3. 
Daß unsere Handelsbilanz passiv geworden ist, wäre an sich 
nicht bedenklich. Es ist vielmehr selbstverständlich, daß Öster 
reich-Ungarn, wie schon seit langem die westeuropäischen Staaten 
-— das Passivum Deutschlands hat 2 Milliarden Mark über 
schritten —, im Handelsverkehr passiv werden muß, weil die 
Bevölkerung wächst, zahlreiche Nahrungsmittel und Rohstoffe im 
Inlande überhaupt nicht erzeugt werden können und die Pro 
duktion anderer mit dem Konsum und der industriellen Ent 
wicklung nicht Schritt hält. Wir dürfen uns jedoch nicht mit 
dieser allgemeinen Betrachtung begnügen, sondern müssen, um 
die Verschiebung unseres Außenhandels volkswirtschaftlich be 
urteilen zu können, ihre einzelne Ursachen untersuchen. Die Ge 
staltung unserer Ein- und Ausfuhr von Rohstoffen zeigt fol 
gende Tabelle: ; i- ;
	        
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