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I. Einleitung.
int Allgemeinen zu charakterisiert, so drängt sich schon bei
nur kurzer Bekanntschaft mit ihr die Wahrnehmung auf
daß sie es keineswegs als ihre Aufgabe zu betrachten scheint,
ihre Leser über das eigentliche Wesen des Socialismus zu
belehren. Ab und zu bringt wohl der „Duette Social-
Demokrat" einen Artikel, der sich über die Ziele des Socia
lismus etwas näher ansläßt, und dann und wann läßt
wohl einmal der „Volksstaat" die wahre Gestalt des Socialismus
seine Leser schauen. Aber solch offene und unverblümte Be
kenntnisse werden von dent übrigen und vorherrschenden
Inhalt stark in den Hintergrund gedrängt. Daher erklärt
sich auch die Wahrnehmung, daß trotz des großen Leserkreises,
den die socialistische Preffe erobert hat, die Zahl der ihrer
Ziele sich klar bewußten Social-Demokraten eine so geringe
ist. Die Parteiführer wisseit gewiß ganz genau, was
sie wollen; die Mehrzahl der Parteigenossen läßt sich führen,
ohne sich klar bewußt zu sein, welchem Ziel sie entgegen-
geführt wird. Die Mehrzahl bewegt sich in einem unklaren
und verschwommenen Gefühl, daß der Socialismus für sie
bessere und glücklichere Zustände schaffen werde, ohne die ihm
eigenthümlichen und ihn charakterisirendcn Mittel hierzu genau
zu kennen, geschweige denn ernstlich zu prüfen. Die Führer
streben auch keineswegs darnach, dies unklare Gefühl in ein
llares Bewußtsein zu verwandeln. Sie begnügen sich, wenn
ihnen nur geglaubt wird, daß der Socialismus aus aller
Noth helfen werde, und lassen ihre Gläubigen hinsichtlich
der Mittel wohl absichtlich im Dunkeln. Wir haben schon
manchen Agitator in öffentlicher Versammlung dabei ertappt,
wie er z. V. die Religionslosigkeit, oder den vom Socialis
mus erstrebten Kommunismus in Abrede zn stellen sich
erdreistete, wenn von anderer Seite zur Aufklärung und
Belehrung der Zuhörer die wahre Gestalt des Socialismus