Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

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Soldaten  zu  halten,  die  Gerichtsbarkeit  in  Handels-  und  Schilffahr ­
  ts-  und  Zivilsachen  auszuüben  und  unterstand  der  Aufsicht ­
  der  „Commissioners  for  Trade  and  Plantation“.
In  dieser  Form  des  Freihandels  nahm  der  englische  Sklavenhandel ­
  seit  1750  einen  gewaltigen  Aufschwung.  Seitens  der
Londoner  Regierung  wurde  ihm  jede  nur  denkbare  Förderung
zuteil.  Sie  zahlte  von  1750—1788  der  neuen  Gesellschaft  jährliche ­
  Unterstützungen  von  13—14000  &  (Report  1789,  I).
Dais  der  Sklavenhandel  das  ganze  Leben  der  Kolonien  bedeutete, ­
  war  seit  1700  unbestrittener  Grundsatz  der  englischen
Kolonialpolitik  geworden  (Burghardt,  S.  4).  Die  Kolonisten
selbst  erklärten  ihn  als  die  Stärke  und  Seele  der  westlichen
Welt.  Die  Gouverneure  wurden  angewiesen,  den  Händlern
jede  Erleichterung  zu  gewähren.  1747  wurde  auf  Jamaika
bei  Vergebung  von  Land  das  Halten  einer  bestimmten  Anzahl
von  Sklaven  zur  Bedingung  gemacht.  Importzölle  auf  Neger,
welche  die  kolonialen  Gesetzgebungen  als  bequeme  Einnahmequellen ­
  bevorzugten,  wurden  vom  Mutterlande  höchst  ungern
gesehen.  Als  1760,  1765  und  noch  1774  die  Assembly  von
Jamaika  den  Versuch  machte,  aus  Gründen  der  Sicherheit  die
übergrofse  Sklaveneinfuhr  zu  beschränken,  hinderte  sie  die
englische  Regierung  auf  eine  Petition  der  englischen  Händler
daran,  „weil  der  Sklavenhandel  dem  Wohlstände  der  Nation
zugute  komme“!  1784  war  es  das  letzte  Mal,  dafs  die  britische
Regierung  für  ihn  eintrat.  Die  Quäker  hatten  im  Unterhause
einen  Antrag  auf  Abolition  eingebracht,  der  abgewiesen
wurde  mit  der  Erklärung:  Der  Sklavenhandel  sei  notwendig
für  jede  europäische  Nation!  (Parliam.  Debates  1783,  II.  o.  G.).
Über  seinen  Umfang  mögen  folgende  Bemerkungen  genügen. ­
  Br.  Edwards  veranschlagt  den  Gesamtimport  durch
englische  Schiffe  nach  Amerika  von  1680  —  1786  auf  etwa
2130000  Neger,  d.  h.  auf  durchschnittlich  jährlich  über
20000  Stück.  Die  meisten  anderen  Autoren  berechnen  viel
lnbhr.  Zur  Zeit  des  spanischen  Erbfolgekrieges  brauchten  die
britischen  Inseln  mehr  Sklaven  (26000  Stück),  als  England
importieren  konnte.  Erst  im  Laufe  des  18.  Jahrhunderts  überflügelte ­
  es,  dank  seiner  klugen  Kolonialpolitik  auf  diesem  Gebiete ­
  seine  sämtlichen  europäischen  Rivalen.  Die  Jahre  unmittelbar ­
  vor  der  nordamerikanischen  Revolution  werden  allgemein ­
  als  die  glücklichste  Periode  für  den  Sklavenhandal  bezeichnet. ­
  1771  segelten  50—60000  Sklaven  in  192  britischen
Schiffen  über  den  Ozean.  Seitdem  ging  es  rasch  abwärts.
Die  Streitigkeiten  mit  den  Kolonien,  die  Kriege  mit  Frankreich, ­
  Holland  und  Spanien,  wirkten  fast  vernichtend.  1779
waren  von  der  ehemaligen  Afrikaflotte  nur  noch  28  Schiffe
übrig;  man  hätte  annehmen  müssen,  das  Ende  des  Sklavenhandels ­
  wäre  gekommen.  Doch  erholte  er  sich  bald.  Im
Friedensjahre  1783  waren  schon  wieder  130  Schiffe  an  ihm  be-
            
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