Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV 1. 
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order vom 11. Februar 1788, durch welche der König die 
Bildung eines Committee of Privy Council anordnete, welches 
den afrikanischen Handel, namentlich den mit Negersklaven, 
in seiner Bedeutung für Grofsbritannien untersuchen sollte. 
Der erste Erfolg der handelsfeindlichen Agitation! Von 
Abolition war zwar noch keine Rede, aber das Abolitions 
komitee bekam doch jetzt zum erstenmal Gelegenheit, seine 
Einwendungen an offizieller Stelle niederzulegen. 
Diese Untersuchung war für die Gegenpartei das Zeichen, 
ihrerseits eine Gegenagitation einzuleiten, die Behauptungen 
der Aboli tionisten als verleumderisch oder übertrieben hin 
zustellen und alle Mittel aufzubieten, um die Untersuchung im 
parteiischen Sinne führen zu lassen. Doch vergeblich; zu sehr 
hatte sich die öffentliche Meinung bereits gegen den Handel 
entschieden. Von allen Seiten liefen Petitionen um Abschaffung 
ein, im Verlauf der Session 1787/88 nicht weniger als 103. 
Es herrschte allgemein die Überzeugung, dafs das Parlament, 
gleichgültig ob sich ein königl. Komitee bereits damit befafste, 
etwas gegen den Handel unternehmen müfste. In einer Unter 
redung mit Sharp erbot sich Pitt, trotz der vorgerückten Zeit 
noch in der Session 1787/88 einen Antrag zu stellen, der das 
Unterhaus in irgend einer Weise verpflichten sollte, die An 
gelegenheit gleich in der nächsten Session zu prüfen. Am 
9. Mai 1788 stellte Pitt seinen versprochenen Antrag. Er war 
äufserst vorsichtig abgefafst und konstatierte nur, dafs die vielen 
Petitionen deutlich zeigten, es könne mit dem Sklavenhandel 
so wie bisher nicht mehr weitergehen. Schliefslich forderte 
er das Haus auf, ebenfalls eine Untersuchung darüber an 
zustellen, wie den in den Petitionen gerügten Übelständen 
abgeholfen werden könnte. Der Antrag wurde angenommen. 
Einigen besonders eifrigen Mitgliedern genügte die Ver 
tröstung auf die nächste Session nicht, und sie beschlossen, 
unverzüglich wenigstens die schreiendsten Milsbräuche der 
„middle passage“ — die Überfüllung der Schiffe und die Mifs- 
handlung der eingepferchten Neger — zu lindern. Am 21. Mai 
trat Mr. Dolben mit einem entsprechenden Antrag hervor. In 
der sich daran anschliefsenden Zeugenvernehmung kamen die 
haarsträubendsten Dinge ans Tageslicht: Jedem Sklaven stände 
auf dem Schiffe an Platz gewöhnlich nur so viel wie etwa in 
einem Sarge zu Gebote. Der Schiffsboden wäre ganz und gar 
mit Menschen vollgestopft; zuweilen wären die Neger über 
einander gepackt. Je zwei zu zwei aneinander gefesselt, blieben 
die Ärmsten oft wochenlang in dem dunkeln, von entsetzlichen 
Gerüchen erfüllten Schiffsraum eingesperrt. Die Sterblichkeit 
unter ihnen betrüge durchschnittlich die Hälfte aller Ein 
geschifften! . ' 
Obwohl die Anhänger des Handels diese Ermittlungen 
für Lügen erklärten und behaupteten, jede gesetzliche Be-
	        
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