fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 713 
er mit seinen Versuchen der Reform des Regensburger Reichs— 
— D 
Rechts- und anderen Sachen bei den furstlichen Zeitgenossen 
anstieß. Denn so gewiß die Betonung der Reichshegemonie 
der ideellen Einheit wenigstens des deutsch-habsburgischen Haus— 
hesitzes zugute kommen mußte, so ist nicht zu verkennen, daß 
Kaiser zu sein, schon im Beginn des 18. Jahrhunderts in vieler, 
und namentlich in finanzieller Hinsicht eine Last war — eine Last, 
die das Haus sterreich verdienstvoll getragen hat. Aber freilich: 
weder der frohe, tatenlustige Joseph J. in seiner kurzen 
Regierungszeit, noch der zurückhaltende, repräsentativem Wesen 
geneigte Karl VI. in den dreißig Jahren fast seiner Herrschaft 
haben Wesentliches erreicht. Zwar hat unter Karl VI. die 
Reichsgesetzgebung noch einmal stärker gearbeitet; in der Sozial⸗ 
geschichte der Zeit wird davon zu erzählen sein“. Aber wie 
fie die wichtigste Tätigkeit schließlich doch den Territorien 
überlassen mußte, so wußten diese auch alle Versuche beider 
Kaiser zu vereiteln, die Zentralgewalt sonst stärker zu betonen. 
In letzter Instanz sah sich somit schon Joseph, namentlich 
aber Karl VI., dessen persönlichen Neigungen diese Wendung 
zugleich entsprach, für die Entwicklung einer österreichischen 
Gesamtstaatsidee vor allem auf die auswärtige Politik des 
Reiches als einer einheitlichen Großmacht und darum auch 
eines einheitlichen Staates verwiesen. Aber selbst hier ergaben 
sich Schwierigkeiten. Denn war denn etwa in der Anschauung 
der Zeitgenossen auch noch Karls VI. das deutsch-habsburgische 
Reich so ganz schon von dem spanisch-habsburgischen Besitze 
geschieden? Auf alle Fälle lebte Karl VI. selbst in dem 
Bewußtsein der eigentlich notwendigen Einheit dieses Besitzes 
sogar noch lange nach dem Utrechter Frieden; er hat für die 
ehemals spanischen Besitzungen, die ihm in diesem Frieden 
—DD0 
in Wien beibehalten: eine Sammelstelle zugleich von allerlei 
zweifelhaften spanischen Existenzen, sehr zum Verdusse des 
S. Band VIII, S. 168ff.
	        
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