Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

03

meist  in  keinem  Verhältnis  zu  den  Verkaufspreisen  an  der
Küste  (Sell,  S.  105).  Weiter  wurde  der  Gewinn  geschmälert
durch  die  sich  immer  mehr  einbürgernden  Geschenke  und
Zugaben,  die  den  Negerhäuptlingen  und  Vornehmen  für
die  blofse  Erlaubnis,  handeln  zu  dürfen,  gespendet  werden
mufsten.
Vergleicht  man  die  mittleren  Einkaufspreise  mit  den  Verkaufspreisen ­
  in  Amerika,  so  erscheint  der  Unterschied  auf  den
ersten  Blick  beträchtlich  —  nämlich  18  gegen  35  &  (Report
1789,  IV,  Tabelle  25).  Bei  näherer  Betrachtung  mäfsigt  sich
der  Unterschied  ganz  erheblich.  Man  mufs  die  furchtbaren  Verluste ­
  auf  der  „middle  passage“  (10—12  °/o)  bedenken,  ferner
die  Unkosten  für  den  Transport,  für  den  mehrwöchigen  Unterhalt, ­
  für  die  ärztliche  Behandlung,  für  Zinsen,  Spesen,  Versicherungen ­
  und  endlich  für  die  stellenweise  unerschwinglichen
Importzölle  auf  Sklaven.  Berücksichtigt  man  aufserdem  noch
die  Überfüllung  der  Sklavenmärkte  und  den  langsamen  Absatz ­
  in  Westindien,  so  wird  man  Hawkesburys  Bericht  im
Report  1789,  I,  beipflichten:  „It  is  a  matter  of  much  doubt
whether  the  excess  of  the  gains  after  deducting  the  losses
incurred  in  the  trade  have  exceeded  the  advantages  to  be
derived  by  other  commerce.“  —
Früher  und  wohl  ausnahmsweise  noch  in  den  1780er
Jahren  machte  manches  Schiff  bei  günstigen  Konjunkturen
wohl  noch  50—00  °/o  Gewinn  (Sell,  S.  138  ff.).  Gewöhnlich
aber  verdarben  die  grofse  Konkurrenz  an  der  Küste  und  die
Überhäufung  der  Märkte  in  Westindien  das  Geschäft.  Seil
gibt  hierfür  auf  Seite  140/41  ein  Beispiel,  das  sich  heute  in
seinen  Einzelheiten  nicht  mehr  nachprüfen  läfst  und  darum
hier  ohne  Gewähr  wiedergegeben  sein  mag:  „9°/o  betrüge  der
Gewinn  am  Sklavenhandel,  während  sonst  im  amerikanischen
Handel  leicht  12  °/o  und  mehr  verdient  würde.  Schliefslich  beruhe ­
  der  Gewinn,“  meint  Seil,  „nur  noch  auf  der  Rückfracht
der  Sklavenschiffe,  wo  sie  mit  Zucker  und  anderen  Kolonialwaren ­
  beladen  waren“  (S.  141).  Clarkson  bezeichnet  ebenfalls ­
  den  Sklavenhandel  als  „a  loosing  trade“.  Er  vergleicht
ihn  mit  einer  Lotterie  (Impolicy,  S.  30),  worin  einzelne  manchmal ­
  Vorteile  erhaschten,  wo  aber  im  ganzen  mehr  Nieten  als
Gewinne  gezogen  würden.  Seine  Argumente  für  die  „impolicy“
des  Negerhandels  beruhen  auf  denselben  Gründen  wie  bei
Seil  :  Die  Konkurrenz  an  der  Küste  sei  zu  grofs,  ebenso  die
Sterblichkeit  auf  der  Überfahrt;  die  westindischen  Märkte
seien  überfüllt,  der  Geschäftsumsatz  dauerte  zu  lange.  Darum
hätte  bereits  die  African  Company  zweimal  Bankerott  gemacht
und  1772—1778  auch  die  Liverpooler  Sklavenhändler  mit
710000  £  falliert  (S.  29).  Nur  während  des  nordamerikanischen ­
  Unabhängigkeitskrieges,  als  der  Preis  für  einen  Sklaven
an  der  Küste  nur  7  £  und  in  Westindien  45  betrug,  hätte
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.