Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

Mittelalter, Renaissance. 
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Thomas die Urteile des Aristoteles über den Wucher, zog Bodinus 
vorwiegend heran, sondern die überlieferten Tatbestände, indem 
er zeitgenössische Wirtschaftsverhältnisse durch antike beleuchtete. 
Die Niederländer, die sich in der Folgezeit mit Wirtschaftsfragen 
sehr viel theoretisch beschäftigten, haben die Antike zur Erläute 
rung vielfach benutzt, auch antike Probleme speziell behandelt. Die 
so oft erörterte Frage von der Erlanbtheit des Zinsennehmens 
rief zu Anfang des 17. Jahrhunderts eine große Literatur hervor, 
in der die Antike eingehend berücksichtigt wurde und zum Teil 
Resultate von bleibendem, wissenschaftlichem Werte erzielt wurden. 
Doch können wir von da ab einen Stillstand in der Entwicklung 
der wirtschaftshistorischen Untersuchungen konstatieren, der Huma 
nismus, der die konkreten Verhältnisse oft in so glücklicher Weise 
mit der Antike verband, begann seine Kraft einzubüßen, und die 
Philologie verknöcherte. Die wenigen Philologen, die mit kriti 
schem Blick die alte Geschichte durchforschten, waren keine Wirt 
schaftshistoriker. 
Im 18. Jahrhundert machten oppositionell gesinnte Geister den 
Versuch,die Zustände der Gegenwart in antikem oder orientalischem 
Gewände zu schildern und zu tadeln. Eine ganze Literatur dieser 
Art knüpfte an FenelonsTelemach an. Man gewöhnte sich daran, 
die eigenen Verhältnisse mit fremden zu vergleichen, und was an 
fangs nur tendenziös geschah, führte bald zu einer objektiveren 
Behandlungsweise. Es bedurfte nur einer kleinen Wendung, und 
inan benutzte die Erfahrungen der Gegenwart dazu, die Frenlde 
und die Vergangenheit zu verstehn. Die „Persischen Briefe" 
stammten von demselben Montesquieu, der das für die Ent 
wicklung der Geschichtswissenschaften bedeutsame Werk „Der 
Geist der Gesetze" schrieb, dem Voltaires Studien „über die Sitten 
und den Geist der Nationen" an die Seite zu stellen wären. Während 
aber letzteres Buch vorwiegend der Kritik der Gegenwart diente, 
ist ersteres im wesentlichen objektiv. Montesquieu zeigte darin 
ebenso wie in seinem Werke „über die Ursachen von der Größe 
der Römer und ihrem Verfall" die Fähigkeit, vergangene Verhält 
nisse dadurch zu erfassen, daß er die der Gegenwart verstand. 
Näher als Montesquieu stand der Philologie ein englischer Forscher 
jener Zeit: Gibbon, der für wirtschaftliche und soziale Fragen 
ebenso wie Montesquieu großes Interesse hatte. Beim Franzosen 
ist dies aus der intensiven Beschäftigung mit politischen und so 
zialen Fragen zu erklären, welche der Revolution vorausging, 
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