Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

118  Siebentes  Kapitel.  Das  römische  Reich  als  Wirtschaftskörper.
mochte,  wie  es  scheint,  Massalia  nicht  Neutralität  zu  bewahren,
wurde  von  Cäsar  erstürmt  und  der  umliegenden  Gebiete  beraubt,
auf  deren  Boden  bald  römische  Kolonien  entstanden,  die  in  immer
stärkerer  Weise  dem  Handel  Massalias  Konkurrenz  machten.  Doch
behandelte  man  Massalia  mit  Hochachtung,  und  eine  gewisse  politische ­
  Selbständigkeit  blieb  dem  aristokratisch  regierten  Gemeinwesen. ­
  Viele  Massalioten  warfen  sich  auf  das  Studium  der
schönen  Künste  und  lehrten  die  Gallier  in  ihrer  Stadt  die
griechische  Sprache  und  Wissenschaft,  so  daß  die  Hellenisierung
Galliens  mit  der  Römerzeit  nicht  ihr  Ende  fand.  Aber  nicht  nur
den  Galliern  war  Massalia  eine  Kulturstätte,  es  gab  auch  viele
Römer,  die  es  vorzogen,  in  Massalia  statt  in  Athen  ihre  Studien
zu  treiben,  was  mit  dazu  beitrug,  die  Stellung  der  Stadt  zu
festigen.  Bis  weit  in  die  christliche  Zeit  hinein  haben  sich  lebendige ­
  Überreste  dieser  hochentwickelten  antiken  Kultur  dort  erhalten.
Neben  Massalia  gab  es  aber  noch  viele  andere  bedeutende  Handelsstädte, ­
  die  über  ganz  Gallien  zerstreut  waren.  Die  zahlreichen  schiffbaren ­
  Flüsse  unterstützten  den  Handel,  Straßenzüge,  steinerne  und
hölzerne  Brücken  ergänzten  diese  natürlichen  Verkehrswege  zu
einem  zusammenhängenden  System  (Strabo  IV,  1).  Die  Flüsse
selbst  wurden  vielfach  reguliert  und  z.  B.  die  Rhonemündung  so
instand  gesetzt,  daß  Massalia  später  einen  regelmäßigen  Zolldienst ­
  für  importierte  und  exportierte  Waren  einrichten  konnte.
Der  Handel  erstreckte  sich  auf  Agrar-  und  Jndustrieprodukte
(S.  33).  Ganz  Gallien  war  sehr  fruchtbar;  besonders  die  südlichen ­
  Teile,  in  denen  Öl-  und  Feigenbäume,  sowie  auch  Wein,
gepflanzt  wurden  (S.  33).  Zu  einer  intensiven  Bearbeitung  des
Bodens  drängte  die  Dichte  der  Bevölkerung.  Neben  Narbo,  dem
heutigen  Narbonne,  war  im  Süden  besonders  Lugdunum  als  Sitz
des  Statthalters,  als  Münzstätte  und  als  einer  der  Mittelpunkte
des  römischen  Lebens  von  besonderer  Bedeutung.  Das  römische
Steuer-  und  Zollsystem  erstreckte  sich  allmählich  immer  weiter,
und  schließlich  bekamen  auch  die  nördlichen  Distrikte  eine  immer
größere  Wichtigkeit,  bis  das  heutige  Trier  in  der  späteren  Kaiserzeit ­
  eine  der  großen  Regierungezentralen  wurde.  Ursprünglich
trieben  die  nordöstlichen  Gebiete,  so  das  belgische,  vor  allem  Viehzucht ­
  und  exportierten  große  Mengen  von  geselchtem  Schaf-  und
Schweinefleisch  nach  ganz  Italien,  besonders  nach  Rom  (Strabo
IV,  4).  Frühzeitig  trieben  die  Küstengebiete  schon  mit  dem  gegenüberliegenden ­
  Britannien  Handel,  von  wo  sie  Zinn  nach  Narbo
            
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