Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Italien,  Griechenland.

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der  weit  geringeren  Reisegeschwindigkeit  konnte  man  die  damals
in  Betracht  kommende  Welt  ungefähr  in  derselben  Zeit  bereisen
wie  die  heutige  Kulturwelt.  Dabei  war  das  Reisen  nichts  Seltenes,
und  die  Leute,  die  in  der  Welt  weit  herumgekommen  waren,  sind
wohl  verhältnismäßig  nicht  weniger  zahlreich  gewesen  als  heutzutage, ­
  war  es  doch  z.  B.  nichts  Besonderes,  in  Massalia  oder
Athen  studiert  zu  haben.
Die  Einverleibung  Griechenlands  ins  römische  Reich  wurde  im
großen  und  ganzen  mit  Schonung  vorgenommen  und  den  Städten
eine,  wenn  auch  beschränkte,  Autonomie  belassen.  Für  die  Entwicklung ­
  der  einzelnen  Landschaften  geschah  allerlei,  so  suchte  schon
Cäsar  durch  Kolonisation  den  verschiedenen  Gemeinden  zu  helfen.
So  kam  Korinth  wieder  empor  und  trieb  wie  ehedem  Industrie
und  Handel.  Aber  die  Folgen  des  Bürgerkrieges  wurden  in  Griechenland ­
  nicht  vollkommen  überwunden.  Die  Entvölkerung,  welche
in  der  Friedenszeit  begonnen  hatte  (S.  104),  wurde  durch  die  Kriege
begreiflicherweise  nicht  aufgehalten  (Plutarch,  Über  den  Verfall  der
Orakel  8).  Schauerlich  klingt  die  Schilderung,  die  wir  von  einer
Stadt  auf  Euböa  aus  dem  Ende  des  ersten  Jahrhunderts  besitzen.
Zwei  Drittel  der  Felder  lagen  verödet,  vor  allem  wegen  Mangels
an  Arbeitskräften  (Dio  v.  Prusa  VII,  34).  Trotz  aller  Fürsorge,
welche  die  Kaiser  und  reiche  Private  den  Städten  angedeihen  ließen,
fehlte  im  allgemeinen  eine  ausreichende  Verwaltung.  Weder  die
kaiserlichen  Beamten  noch  die  autonomen  Städte  waren  den  sozialen
Problemen  auch  nur  irgendwie  gewachsen.  Mit  Bauten  und  Spenden ­
  allein  war  eben  das  kranke  Land  nicht  zu  heilen.  Es  half  nichts,
daß  z.  B.  Athen  durch  Hadrian  der  Getreidelieferungen  teilhaftig
wurde  sowie  reicher  Stiftungen  zur  Erhaltung  armer  Kinder
(S.  139).  Während  andere  Provinzen  zu  Beginn  der  Kaiserzeit  ihre
beste  Zeit  erlebten,  war  Griechenland  im  großen  und  ganzen  im
Rückschritt  begriffen.  Textilindustrie  und  Kunsthandwerk  bedeuteten
noch  am  meisten.  Der  Zwischenhandel  bewirkte,  daß  in  Athen  und
besonders  in  Korinth  das  Geldgeschäft  blühte,  aber  damit  allein
konnte  kein  Land  in  die  Höhe  kommen.
Die  Bedeutung  der  Gebiete  des  Schwarzen  Meeres  begann
für  das  Mittelmeer  zurückzutreten,  als  die  Römer  ihre  Eroberungspolitik ­
  in  großem  Stil  begannen.  Die  Auswahl  unter  den  getreideproduzierenden ­
  Ländern  war  nun  weit  größer  als  in  den  Zeiten,
die  wir  im  vierten  Kapitel  behandelten,  auch  ging  der  Getreideexport ­
  seit  der  hellenistischen  Zeit  zurück,  und  es  fand  sogar  gelegentlich
            
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