Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Afrika,  Ägypten.

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Hungersnot.  So  war  es  Usurpator  Vespasians  erster  Gedanke,  die
Kornspeicher  Ägyptens  in  die  Hand  zu  bekommen,  um  Rom  völlig
wehrlos  zu  machen  (Sueton,  Vespasian  3),  da  derjenige  Italien  mit
Hungersnot  überziehen  konnte,  der  „die  Schlüssel  des  Landes  und
der  @ee"  in  die  Hand  bekam,  vermochte  man  sich  doch  in  Alexandria ­
  mit  geringer  Truppenmacht  gegen  Armeen  zu  halten  (Tacitus,
Annalen  II,  59).  Und  so  sehen  wir  die  Geschichte  der  Kaiser  eng
mit  der  Brotversorgung  Roms  und  Italiens  verknüpft.  Die  Getreidelieferungen, ­
  welche  Ägypten  Rom  zur  Verfügung  stellen  mußte,
bewirkten,  daß  man  dieser  Provinz  eine  besondere  Aufmerksamkeit
zuwendete.  Früh  suchte  man  eine  straffe  Angliederung  an  das  Reich
zu  erzwingen  (Tacitus,  Historien  1,11),  war  doch  Ägypten  für  Rom
fast  ebenso  unentbehrlich  wie  später  nach  der  Teilung  des  Reiches
für  Konstantinopel.  Und  die  Ägypter  selbst  scheinen  in  der  Kaiserzeit ­
  übermäßig  betont  zu  haben,  es  hänge  vom  Nil  ab,  ob  man
sich  in  Rom  satt  essen  könne  oder  Hunger  leiden  müsse  (Plinius,
Lobrede  auf  Trajan  31),  was  im  allgemeinen  richtig  war,  da
ja  nur  selten  Dürre  Ägypten  heimsuchte,  so  daß  es  auf  Zufuhr
angewiesen  war  (Plinius,  Lobrede  auf  Trajan  30  f.).  Augustus
sorgte  dafür,  daß  die  Kanalisation  wiederhergestellt  werde,  und  verwendete ­
  zum  Teil  kaiserliche  Truppen  zu  diesem  Zweck.  Die  Einkünfte ­
  aus  Ägypten  wurden  unter  verschiedenen  Titeln  bezogen,
ein  Teil  derselben  stammte  aus  bett  Domänen.  Die  Pächter  mußten
große  Anteile  vom  Ertrag  an  die  Regierung  abführen.  Da  die
Römer  weit  mehr  Getreide  benötigten  als  die  Ptolemäer,  stieg  der
Pachtzins  in  den  ersten  Jahrhunderten  der  Kaiserzeit,  soweit  er  in
natura  gezahlt  wurde,  und  es  wurden  fremde  Pächter  herbeigezogen,
um  eine  noch  intensivere  Bebauung  des  Bodens  zu  erreichen.  Die
Bemühungen  der  Kaiser  waren  auch  von  Erfolg  begleitet,  und
die  treffliche  Kanalisation  bewirkte,  daß  weite  Strecken  Landes,  die
heute  Wüste  sind,  damals  Kulturland  waren.  Die  Kanalisationsbauten ­
  wurden,  soweit  man  nicht  Lohnarbeiter  und  Soldaten
heranzog,  durch  Fronarbeit  bestimmter  Bevölkerungskreise  vollzogen, ­
  von  der  man  sich  aber  durch  eine  Geldzahlung  loskaufen
konnte.
Doch  die  Römer  begnügten  sich  nicht  damit,  dem  Laufe  des  Nil
und  des  Euphrat  zu  folgen,  sie  trachteten  auch  nach  den  Schätzen  O  stafrikas,
  Arabiens  und  Indiens.  Da  eine  Eroberung  nicht  möglich ­
  war,  schob  man,  wo  es  ging,  Militärposten  vor;  aber  selbst  wo
diese  sich  nicht  halten  konnten,  wurden  militärische  Demonstrationen
            
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