Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

20  Erstes  Kapitel.  Übersicht  über  d.  wirtschaft!  Entwickl  d.  Orients  usw.
zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts.  Aber  nicht  nur  den  Handel  zu
Lande  vermittelten  die  Syrer,  sondern  auch  den  zur  See.  Die
Phöniker  fuhren  weit  ins  Mittelmeer  hinaus,  um  Rohstoffe,  vor
allem  Metall  zu  holen,  so  z.  B.  Zinn  und  Silber  aus  den  Westländern, ­
  Kupfer  von  dem  nahegelegenen  Cypern,  Gold  von
Thasos,  einer  Insel  des  Ägäischen  Meeres.  Sie  selber  brachten  den
Völkern,  zu  denen  sie  kamen,  vor  allem  Jndustrieprodukte  und
wohl  nur  ausnahmsweise  Rohstoffe.  Zum  Teil  waren  sie  Zwischenhändler ­
  und  setzten  Waren  aus  allen  Ländern  Vorderasiens  ab,
aber  sie  hatten  auch  eine  eigene  hochentwickelte  Industrie.  So  war
ihre  Purpnrfärberei  berühmt,  zu  der  die  Purpurschnecke  ihrer
Küsten,  aber  auch  die  des  Ägäischen  Meeres  ihnen  den  Rohstoff
beistellte.  Der  Libanon  lieferte  treffliches  Bauholz,  das  sie  teilweise ­
  verhandelten  (S.  22).  Auch  trieben  sie  zu  allen  Zeiten  Fischfang ­
  (S.  23).  Öl  und  Wein  gediehen  in  ausgezeichneter  Qualität,
wenn  auch  nicht  in  großer  Menge,  weshalb  sie  schon  früh  beides
importierten.  Um  ihren  Handel  zu  fördern,  siedelten  sie  sich  im
Bereich  des  ganzen  Mittelmeeres  an,  so  im  Ägäischen  Meere  u.  a.
auf  Cypern,  im  Westen  in  Nordafrika,  wo  sie  neben  anderen  Städten
Karthago  gründeten,  in  Sizilien,  Sardinien  und  Spanien,  das
später  den  Karthagern  im  Kriege  gegen  Rom  als  Operationsbasis
diente  (S.  96).  Die  phönikischen  Stadtstaaten,  unter  ihnen  vor  allen
Tyrus  und  Sidon,  waren  gleich  den  griechischen  zeitweise  zu  Bünden
vereinigt,  die  sich  der  Fremdherrschaft  nur  selten  zu  entziehen  vermochten. ­
  Meist  schadete  ihnen  diese  nicht  allzusehr,  weil  die  unterjochenden ­
  Staaten  an  dem  Handel  der  Phöniker  interessiert  waren,
freilich  kam  es  manchmal  zu  erheblichen  Störungen,  die  viele  Bewohner ­
  zum  Auswandern  veranlaßten  (S.  17).  Auch  die  Niederlassungen ­
  in  Afrika  und  Sizilien  bildeten  keine  einheitliche  Organisation ­
  und  standen  nur  in  einem  lockeren  Abhängigkeitsverhältnis ­
  vom  Mutterlande,  von  dem  sie  immer  mehr  getrennt
wurden,  besonders  seit  sich  die  Griechen  in  Kyrene  niedergelassen
hatten  (S.  36).  Als  ernste  Konflikte  mit  den  europäischen  Mächten
drohten,  vereinigten  sich  erst  die  phönikischen  Städte  des  Westens
unter  der  Führung  Karthagos.  Während  die  Ansiedlungen  der  Griechen ­
  selbständige,  die  der  Römer  vom  Mutterlande  abhängige
Gemeindeorganisationen  waren,  stellte  ein  großer  Teil  der
phönikischen  Faktoreien  dar,  da  die  Phöniker  nur  selten  zur  Auswanderung ­
  gedrängt  wurden  —vermochte  doch  ihre  rege  Industrie
eine  sehr  dichte  Bevölkerung  zu  ernähreu.  Diese  Faktoreien  dienten
            
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