Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Handel,  Industrie.

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Wicklung.  Zunächst  hatten  die  Griechen  nur  die  Rohprodukte  ihres
Landes  den  Phönikern  gegen  Schätze  verhandelt,  dann  hatten  sie
in  immer  stärkerem  Maße  Gegenstände  produziert,  welche  von
den  Phönikern  gekauft  wurden,  schließlich  hatten  sie  selbst  Schiffe
bestiegen,  um  Handel  zu  treiben.  Während  sie  zunächst  bei  ihren
Stammesgenoffen  und  auch  bei  fremden  Völkern  jene  Waren  an
den  Mann  zu  bringen  suchten,  die  sie  auch  für  den  eigenen  Gebrauch ­
  verwendeten,  wurde  nun  in  immer  steigendem  Maße  eine
Exportindustrie  betrieben,  welche  Gegenstände  erzeugte,  die  nur
für  den  Käufer  bestimmt  waren  und  dessen  Geschmack  entsprachen,
so  daß  eine  Handelsstadt  nicht  nur  ihre  originellen  Waren  in  einer
andern  Stadt  abzusetzen  suchte,  sondern  auch  den  Waren  dieser
Stadt  an  Ort  und  Stelle  Konkurrenz  machte  (S.  127).  Gleichzeitig ­
  mit  dieser  Ausdehnung  des  Handelsverkehrs  auf  die  Gegenstände ­
  des  täglichen  Gebrauchs,  auf  Kleider,  Tonwaren  usw.,  erfolgte ­
  jene  auf  die  Nahrungsmittel,  nachdem  zuerst  nur  die  Genußmittel ­
  für  die  Tische  der  Neichen  übers  Meer  gebracht  worden
waren.  Diese  kommerzielle  und  industrielle  Entfaltung  brachte  eine
völlige  Umwälzung  der  Staatsordnung  in  jenen  Staaten  mit
sich,  die  sich  der  neuen  Bewegung  anschlössen,  im  Mutterlande  in
Korinth,  Ägina,  Chalkis,  Eretria,  Athen  usw.,  in  Kleinasien,  in
Milet,  in  den  Städten  auf  Rhodus  usw.  und  in  sämtlichen  westlichen ­
  Kolonien.  Nur  einige  Staaten  des  Festlandes  haben  lange
widerstanden,  so  vor  allem  Sparta,  aber  auch  Thessalien  und  Mazedonien. ­

Während  früher  verschiedene  Verbände  innerhalb  des  Staates
von  großer  Wichtigkeit  waren,  so  Blutsverbände  u.  a.,  trat  nun
das  Individuum  immer  mehr  in  den  Vordergrund.  Im  Agrarstaat ­
  waren  nur  selten  arme  Leute  reich  geworden,  soweit  nicht
Neuverteilungen  vorgenommen  wurden  oder  im  Kriege  ein  Gebietszuwachs ­
  erfolgte,  der  aber  oft  nur  den  bevorrechteten  Familien
Vorteil  brachte.  War  in  der  Königszeit  noch  die  Möglichkeit  vorhanden, ­
  durch  die  Huld  des  Herrschers  zu  Macht  und  Ansehen  zu
kommen,  so  hat  die  Zeit  der  Adelsherrschaft  auch  diese  Möglichkeit
beseitigt.  Die  Entwicklung  von  Handel  und  Industrie  brachte  nun
den  Sturz  der  Adelsherrschaft  und  dann  den  der  Herrschaft  des
Großgrundbesitzes.  Freilich  war  dies  das  Resultat  einer  langwährenden ­
  Umwandlung,  die  nicht  überall  gleichzeitig  erfolgte.  Der
Sturz  der  bevorrechteten  Klassen  erfolgte  vor  allem  deshalb  nur
langsam,  weil  diese  die  neuen  Möglichkeiten  ausnutzten  und  sich
            
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