Münze, Getreideimpvrt.
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gegen vollwertige auslöste, wenn er wieder bei Kasse war. Doch
kamen die Alten nie dazu, eine Regelung der Menge der Zahlungs
mittel durch Vermehrung minderwertiger Münzen durchzuführen
oder eine Münzpolitik in der Art zu treiben, wie wir sie z. B. beim
Papiergeld kennen. Die fiskalische Ausbeutung der Münzver
schlechterung hat meist nur, wie im Mittelalter, Verwirrung ge
stiftet. Von jener großen Bedeutung wie die Einführung all
gemeiner Zahlungsmittel war die der Münze im Alter
tum nicht, doch hat sie indirekt die Verbreitung allgemeiner Zah
lungsmittel sehr erleichtert. Die Münzprägung stand meist den
Gemeinden zu und war keineswegs immer den Staaten vorbe
halten. Im allgemeinen hingen die Münzsysteme im Bereiche des
Mittelmeerbeckens untereinander und mit den orientalischen Maß
systemen zusammen. Die Erforschung der Gewichtsbeziehungen
allein ist heute schon Gegenstand eines eigenen wissenschaftlichen
Betriebes. Die Ergebnisse dieser Forschungen lassen manche Rück
schlüsse auf Handelsbeziehungen zu, indem die gleiche Währung
oft auf einen engeren Zusammenhang zwischen zwei Staaten hin
weist, die Abschaffung einer bestimmten Währung häufig mit einer
handelspolitischen Reform verknüpft war (S. 53).
Indem die Grundbesitzer, wie wir sahen, in immer stärkerer
Weise Handel trieben, verzichteten sie oft darauf, selbst Getreide
zu bauen, wenn in ihrem Lande fremdes Getreide billiger zu
haben war. Sie wendeten sich vielfach dem Ölbau, der Weid
wirtschaft oder der Industrie zu. Vom individualwirtschaftlichen
Standpunkt aus schien es überaus rentabel, die landwirtschaftliche
Produktion eines Landes ganz eingehen zu lassen, während die
staatlichen Interessen dadurch oft überaus gefährdet wurden; ganz
abgesehen davon, daß es in normalen Zeiten leicht zu Hungers
nöten kommen konnte oder mindestens zu Teuerungen, bestand in
Kriegszeiten die eminente Gefahr, von der Getreidezufuhr abge
schnitten zu werden, wenn man nicht eine ausgezeichnete Flotte
besaß. Die Unterstützung des Getreidebaus durch alle möglichen
Mittel wäre daher für manche Staaten, die ihre wirtschaftliche
und zum Teil auch ihre politische Selbständigkeit wahren wollten,
damals oft geboten gewesen. Zu einer agrarischen Schutzzollpolitik
konnten sich die antiken Stadtstaaten in dieser Periode nicht ent
schließen, da sie schon stark demokratisch gefärbt waren und in erster
Reihe den weiten Kreisen der Bevölkerung billiges Brot verschaffen
wollten. Die Industriellen ihrerseits hatten alles Interesse daran,