44 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation.
die Arbeitskräfte möglichst billig zu ernähren, und da die Agrarier
selbst in immer stärkerer Weise mit größeren Massen von Arbeitern
und Sklaven kostbare Bodenprodukte erzeugten, so war das Resultat
in vielen Stadtstaaten ein Zugrundegehen des Ackerbaus;
doch hätte der eigene Landbau auch dann kaum ausgereicht, wenn
er gut gepflegt worden wäre, da das Zusammenströmen gewaltiger
Menschenmassen in den Städten und die Zuwanderung überaus
groß war, dennoch wäre das Mißverhältnis nicht so groß geworden.
Die wirtschaftliche Isoliertheit — Autarkie—, die Fähigkeit,
alles, was benötigt wurde, im eigenen Staatsgebiet zu erzeugen,
fehlte am Ausgang dieser Epoche in sehr vielen griechischen Staaten
nicht nur in normalen Zeiten, sondern war nicht einmal in den
Kriegszeiten notdürftig durchführbar. Das Resultat war, daß
es z. B. die Athener in der Periode nach den Perserkriegen selbstverständlich
fanden, daß man das platte Land dem Feinde preisgab
und lieber alles aufwendete, um eine Flotte in der Stärke
zu haben, daß die Zufuhr garantiert werde. Diese volle Entwicklung
der internationalen Arbeitsteilung derart, daß die einen Gebiete
vorwiegend industriell, die andern agrarisch tätig waren, fällt
in diese sowie in die nächste Epoche. Die Länder, welche Getreide
produzierten, waren entweder, wie in Unteritalien, von den Griechen
unterworfen und wurden von halbfreien oder unfreien Stämmen
bebaut, oder sie standen, ohne direkt unterworfen zu sein, wie
viele Länder am Schwarzen Meer, auf einer niedern Kulturstufe.
In Attika machte sich der Getreidebedarf etwa im 6. Jahrhundert
schon fühlbar, und Solon soll schon die Ausfuhr von Getreide verboten
haben (Plutarch, Solon 24). Dies Mittel kann freilich nur
momentan gewirkt haben, solange noch genügend Getreideproduzenten
da waren, aber diese waren dadurch in keiner Weise geschützt, solange
man sich nicht gegen die fremde Einfuhr abschloß, was,
wie es scheint, unterblieb, war doch eine der wichtigsten Aufgaben
des antiken Staates die Beschaffung billigen Getreides für die
großen Massen.
Wie wir schon mehr mehrfach gesehen haben, war die Geld wirtschaft,
wie sie der Handel mit sich brachte, für den Bauern mit
Nachteilen verbunden, weil er selten in der Lage war, sicher und
rasch einmal festgesetzte Beträge zu zahlen. Insbesondere bei Darlehen
zu Ameliorationszwecken war er kaum in der Lage, die zurückzuzahlende
Darlehnssumme samt den Zinsen dem vermehrten
Reinertrag zu entnehmen, da dieser oft erst einige Jahre später