50 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation.
Festlandsstaaten Getreide zu exportieren vermochte. Diese Arbeits
teilung wurde in der nächsten Epoche noch erweitert. Von großer
Wichtigkeit für die Griechen war, daß ihnen nun in immer steigen
dem Maße Ägypten eröffnet wurde. Zwar waren griechische Ton
gefäße schon in mykenischer Zeit nach Ägypten gelangt, aber wohl
auf asiatischen Schiffen. Die ägyptische Interessensphäre ragte
übrigens zeitweilig sehr weit ins Ägäische Meer hinein, als Ägyp
ten das von Griechen und Phönikern besiedelte Cypern beherrschte
(Herodot H, 182). Als in Naukratis im 6. Jahrhundert, vielleicht
auch schon früher, den Griechen Stapelplätze und Quartiere er
öffnet wurden, konnte man deutlich sehn, wie sehr die Kolonien
vor allem den Welthandel in der Hand hatten. Nur Ägina war
von den Staaten des Mutterlandes vertreten, eine Stadt, die fast
ausschließlich dem Handel und ihrer günstigen Lage im Saronischen
Golf ihre Bedeutung verdankte (Herodot VIH, 6). Diese Stadt
suchte sich so dafür schadlos zu halten, daß die Städte Euböas und
Korinth ihr in der Kolonisation überlegen waren. Von den klein
asiatischen Städten waren unter anderen die Städte auf Rhodus
vertreten, selbstverständlich auch Milet (Herodot II, 178). Kyrene
stand ebenfalls mit den Ägyptern in Handelsbeziehung, nachdem
es seine Unabhängigkeit bewahrt hatte (S. 36). Diese internatio
nalen Beziehungen wurden durch religiöse Verbände aller Art unter
stützt, die sich freilich wenig um die Politik kümmerten, und deren
größte politische Leistung zunächst die Regelung des Kriegsrechtes
war, das etwas gemildert wurde, sowie ja auch heute die internatio
nalen Regelungen sich hauptsächlich bisher mit dieser unwesent
lichsten Seite beschäftigt haben. Freilich wurde so manche Beziehung
angebahnt, wenn auch in dieser Epoche die Griechen sich noch recht
wenig als Einheit fühlen lernten. Höchstens besaß hier und da eine
Stadt ein etwas größeres Gebiet, das einige Städte und Stämme
umfaßte, oder herrschte über einige Kolonialstädte, meist aber war
jede Stadt völlig autonom. Auch das internationale Privatrecht war
noch wenig entwickelt, so daß Handelsgeschäfte, bei denen die Gegen
leistung nicht sofort erfolgte, zunächst zu den Seltenheiten gehörten.
Man begriff nur langsam, daß im kaufmännischen Leben Ver
träge auf Kredit eine große Rolle zu spielen haben, und daß ein
gedeihlicher Handelsverkehr nur möglich sei, wenn jedermann
zu seinem Recht kommen könne. Die mächtigen Staaten setzten sich
freilich für ihre Bürger ein und machten es wie die modernen
Staaten minder kultivierten gegenüber, wenn ein paar europäische