Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 51 
Dattelsäcke in Gefahr sind. Aber allmählich wurden die Zustände 
unhaltbar, Repressalien waren an der Tagesordnung, wer sich be 
nachteiligt glaubte, suchte ein Pfand des Gegners in die Hand zu 
bekommen, man hielt sich dabei nicht nur an das Pfand desjenigen, 
der in den ganzen Handel verwickelt war, sondern auch an das 
Besitztum seiner Stammesgenossen, wodurch der gesamte Handel 
gefährdet wurde. Man begann daher bereits Staatsverträge zu 
schließen, um eine gewisse Regelung eintreten zu lassen, doch die 
eigentliche Entwicklung fällt in die nächste Periode (S. 77). 
Die alten Verbände waren unfähig geworden, in der neuen 
Ordnung etwas zu leisten, die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren waren 
nun der Stadtstaat, die entstehenden größeren Reiche und das 
Individuum. Der einzelne ist unabhängig geworden, jeder be 
liebige kann ihm Güter liefern, deren er bedarf, Planlosigkeit 
ist vielfach für diese neue Wirtschaftsordnung charakteristisch, nur 
in bestimmten Fällen greifen die Staaten ein, so z. B. in den Ge- 
treideverkehr, weil dieser für das Bestehen des Staates von ent 
scheidender Bedeutung war. Doch bildete sich durch die annähernde 
Konstanz der Bedürfnisse auf dem gesamten Weltmärkte für die 
Produktion ein ungefährer Maßstab heraus. In der nächsten Epoche 
haben sich Produktion und Handel noch weiter entwickelt, immer 
stärker aber werden wir auch die Übel der neuen Ordnung zutage 
treten sehen. 
Viertes Kapitel. 
Das griechische Wirtschaftssystem. 
(Ende 6. Jahrhunderts bis Ende 4. Jahrhunderts.) 
Kauf und Verkauf, um die notwendigen Bedürfnisse 
gegenseitig zu decken, kann beinahe kein Staat entbehren, 
und dies ist das Nächstliegende in bezug auf die Autarkie, 
um derentwillen man sich doch wohl in einer einheitlichen 
, Staatsorganisatiou zufammengetan hat. 
Aristoteles, Politik VII, 5, 2. 
Auch ist cs notwendig, daß der Staat, was er nicht hat, 
importiere und, was bei ihm im Überfluß hervorgebracht 
wird, exportiere. Aristoteles, Politik IV, 5, 4. 
Zu Ende der vorigen Epoche waren die Städte Kleinasiens 
in immer engere Abhängigkeit vom Perserkönig gekommen, der 
auf das europäische Festland hinübergriff und griechische Fürsten 
und Freistädte Thraziens zum Anschluß zwang. Seit die Perser 
im Besitze der phönikischen Flotte waren, konnten ihnen die Jnselu
	        
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