Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Fremde,  Athen.

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Die  Erfolge  der  Athener  bewirkten,  daß  sich  die  wirtschaftliche
Stellung  seit  480  immer  mehr  verbesserte  und  Athen  bald  die
bedeutendste  Stadt  des  Mittelmeerbeckens  wurde.  Die  politische
Machtstellung  Athens  im  Bunde  ermöglichte  es  dem  Staate,  einen
großen  Teil  der  Bevölkerung  zu  besolden  und  so  zu  versorgen,
sei  es,  daß  man  die  Leute  als  Verwaltungsbeamte  oder  Richter
verwendete.  Die  Rechtsprechung  brachte  überhaupt  viele  Vorteile, ­
  indem  durch  sie  direkt  viel  Geld  nach  Athen  strömte  und
überdies  der  Verkehr  gehoben  wurde.  Auch  mußten  die  Untertanen
eines  Bundesstaates  immer  auf  ihrer  Hut  sein,  denn  jeder  athenische ­
  Bürger,  mit  dem  man  zu  tun  hatte,  konnte  demnächst  als
—  nicht  immer  unbeeinflußbarer  —  Richter  fungieren  (Pseudo-Lenophon,
  Verfassung  der  Athener  1.  u.  3.).  Die  Mittel  wurden
vor  allem  den  Abgaben  der  Bundesstädte  und  den  Zöllen  in  deren
Gebiet  entnommen  (Aristoteles,  Verfassung  der  Athener  24).
Soweit  man  die  athenische  Bevölkerung  nicht  mit  Richtersold,
Kriegersold,  Pensionen  oder  sonstigen  Bezügen  bedachte,  suchte
mau  durch  öffentliche  Arbeiten  etwas  für  sie  zu  tun.  Man  bemühte ­
  sich,  Geld  unter  die  Leute  zu  bringen,  indem  man,  den
Tendenzen  des  demokratischen  Staates  entsprechend,  möglichst  viele
Mitglieder  der  freien  arbeitenden  Bevölkerung  an  den  Staatseinkünften ­
  partizipieren  ließ.  Während  Männer  wie  Perikles
dafür  Sorge  trugen,  daß  diese  Gelder  in  Form  von  Löhnen  ausgezahlt ­
  wurden,  indem  man  die  Arbeiter  zur  Errichtung  herrlicher
Kunstwerke  verwendete,  wurde  in  späterer  Zeit  das  Geld  vielfach
direkt  an  das  Volk  ausbezahlt,  ohne  daß  irgendwelche  Werke
entstanden.  Solange  die  Gelder  als  Löhne  zur  Verteilung  kamen,
blühten  Handwerk,  Industrie  und  Handel.  Die  Straßenarbeiter,
die  Steinmetze,  Zimmerleute,  Bildhauer,  Metallarbeiter,  Elfenbeinschnitzer ­
  hatten  zu  tun,  aber  auch  alle  jene,  die  sich  mit  dem
Transport  von  Waren  beschäftigten,  von  Elfenbein,  kostbaren  Hölzern, ­
  Steinen  und  Metallen,  die  Schiffer,  Kaufleute  und  ihre  Arbeiter
  und  Angestellten.  Die  Fabrikanten  und  Handwerkmeister
wurden  an  die  Spitze  großer  Arbeiterheere  gestellt,  die  sich  vor
allem  aus  den  ärmeren  Bevölkerungsschichten  rekrutierten  (Plutarch, ­
  Perikles  12).  Auf  diese  Weise  war  im  Zeitalter  des  Perikles
der  Staat  einer  der  Hauptarbeitgeber.  Aber  er  sorgte  nicht  nur
für  die  Arbeit,  sondern  auch,  und  zwar  in  der  Folgezeit  immer
mehr,  für  den  Opferschniaus,  für  öffentliche  Turnplätze,  Bäder  und
andere  Anlagen  (Pseudo-Xenophon,  Verfassung  der  Athener  2).
            
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