Full text: Ferdinand Lassalle

73 
eintretenden Herren, die den Gruß ebenso artig er 
widerten. Der Vorsitzende erklärte die Sitzung für er 
öffnet, und unmittelbar darauf trat Lassalle vor und 
bat um die Vergünstigung, sich hinter den Tisch setzen 
zu dürfen, auf dem er „einiges wissenschaftliche Ma 
terial", dessen er zu seiner Verteidigung wohl bedürfen 
würde, beisammen habe. Der Wunsch wurde ohne 
weiteres erfüllt. 
Die Sache war zunächst sehr langweilig. Es wurden 
die umfangreichen Akten der Vorverhandlung, das Urteil 
mit seinen ellenlangen Motiven verlesen und, da die 
ganze Broschüre unter Anklage gestellt war, schließlich 
die ganze Lassallesche Rede, in dem bewußten mono 
tonen Singsang der Protokolleser. Das dauerte etwa 
zwei Stunden. Es war bereits halb zwölf, als Lassalle 
das Wort ergriff. Um eins wurde eine Mittagspause 
gemacht. Am Nachmittag sprach Lassalle von vier bis 
halb sieben, im ganzen also vier Stunden. Über sein 
Verhalten vor dem Gerichtshof kann ich mich auf meine 
früheren Aufzeichnungen beziehen. 
Lassalles Vortrag machte durchaus den Eindruck der 
freien Rede, die allerdings vorher reiflich durchdacht 
und durch eine gedrungene schriftliche Disposition kon 
solidiert war. Er hielt in der rechten Hand ein Oktav 
blättchen, auf das er von Zeit zu Zeit einen flüchtigen 
Blick warf, um dann eine längere Zeit anscheinend zu 
ertemporieren. Er sprach mit musterhafter Deutlichkeit 
und mit großem rhetorischen: Schwünge. Dieselbe Eigen 
heit, die ich schon in der Privatunterhaltung an ihm be 
obachtet hatte: das Herumspringen seines modulations 
fähigen Organs in allen Stimmlagen, zeigte sich auch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.