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eintretenden Herren, die den Gruß ebenso artig er
widerten. Der Vorsitzende erklärte die Sitzung für er
öffnet, und unmittelbar darauf trat Lassalle vor und
bat um die Vergünstigung, sich hinter den Tisch setzen
zu dürfen, auf dem er „einiges wissenschaftliche Ma
terial", dessen er zu seiner Verteidigung wohl bedürfen
würde, beisammen habe. Der Wunsch wurde ohne
weiteres erfüllt.
Die Sache war zunächst sehr langweilig. Es wurden
die umfangreichen Akten der Vorverhandlung, das Urteil
mit seinen ellenlangen Motiven verlesen und, da die
ganze Broschüre unter Anklage gestellt war, schließlich
die ganze Lassallesche Rede, in dem bewußten mono
tonen Singsang der Protokolleser. Das dauerte etwa
zwei Stunden. Es war bereits halb zwölf, als Lassalle
das Wort ergriff. Um eins wurde eine Mittagspause
gemacht. Am Nachmittag sprach Lassalle von vier bis
halb sieben, im ganzen also vier Stunden. Über sein
Verhalten vor dem Gerichtshof kann ich mich auf meine
früheren Aufzeichnungen beziehen.
Lassalles Vortrag machte durchaus den Eindruck der
freien Rede, die allerdings vorher reiflich durchdacht
und durch eine gedrungene schriftliche Disposition kon
solidiert war. Er hielt in der rechten Hand ein Oktav
blättchen, auf das er von Zeit zu Zeit einen flüchtigen
Blick warf, um dann eine längere Zeit anscheinend zu
ertemporieren. Er sprach mit musterhafter Deutlichkeit
und mit großem rhetorischen: Schwünge. Dieselbe Eigen
heit, die ich schon in der Privatunterhaltung an ihm be
obachtet hatte: das Herumspringen seines modulations
fähigen Organs in allen Stimmlagen, zeigte sich auch