Full text : Ferdinand Lassalle

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über  Lassalles  Auftreten  vor  Gericht  sind  wir  durch  eine  anschauliche ­
  Schilderung  von  Paul  Lindau  unterrichtet.  In  seinen  „Erinnerungen" ­
  (Cotta,  1917)  schreibt  er:

Lassalle  vor  den  Richtern
Am  26.  Juni  traf  er  wieder  in  Düsseldorf  ein.  Er
hatte  mich  von  seiner  Ankunft  in  Kenntnis  gesetzt  und
eingeladen,  mit  ihm  eine  Abendstunde  zu  verplaudern.
Unser  Tisch  war  der  einzig  besetzte  im  Speisezimmer
des  Hotels  Domhardt.  Die  Gräfin  Hatzfeldt,  die  ihn
auch  diesmal  begleitet  hatte,  rauchte.  Lnssalle,  der  mit
dem  Konzept  seiner  Rede,  die  er  am  anderen  Tage  vor
den  Richtern  der  zweiten  Instanz  halten  sollte,  zufrieden
zu  sein  schien,  war  in  bester  Stimmung  und  sprach  fast'
allein.  Der  Düsseldorfer  Bevollmächtigte  lauschte  den
Worten  des  Meisters  andächtig  mit  halb  geöffneten
Lippen.  Wenn  ich  nicht  irre,  war  außer  uns  vieren  nur
noch  Reinhold  Schlingmann  an  unserem  Tisch,  der  zu
jener  Zeit  Buchhändler  in  Berlin  war  und  die  letzten
Schriften  Lassalles  verlegt  hatte.  Wir  trennten  uns  zu
verhältnismäßig  früher  Stunde,  denn  morgen  war  für
Lassalle  und  uns  alle  ein  anstrengender  Tag.
Es  war  ein  sehr  heißer  Junitag,  dieser  27.  Durch  die
Zuvorkommenheit  des  Vorsitzenden  war  mir  in  dem
kleinen  abgesteckten  Raume,  in  dem  außer  dem  hohen
Gerichtshöfe  nur  der  Angeklagte  und  sein  Verteidiger
verweilen  durften,  ein  bevorzugter  Platz  angewiesen.
Die  gleiche  Vergünstigung  war  der  Gräfin  Hatzfeldt
eingeräumt,  die  während  der  langen  Verhandlungen
neben  niir  saß  und  mir  in  liebenswürdiger  Weise  den
            
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