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überall die Schornsteine aufhören müssten zu rauchen. Drei
Monate, länger aber auf keinen Fall, würden diese hochagrarischen
Zollsätze bestehen. Dann käme ein Sturm aus allen
Richtungen und fegte die Lebensmittelzölle überhaupt weg.
Die Landwirtschaft ihrerseits hat nicht nur ein taktisches,
sie hat namentlich auch ein sachlich wirtschaftliches Interesse,
dass auf diesem Wege demnächst das Ziel erreicht wird. Es
ist nicht wenig, was ihr dargeboten wird.“
Nachdem wir oben die Bedeutung des neuen deutschen
Zolltarifes im allgemeinen nach seiner Tendenz gewürdigt haben,
gehen wir an der Hand der parlamentarischen Verhandlungen
nunmehr dazu über zu untersuchen, welche Behandlung die
einzelnen Waren der Drogen- und Chemikalienbranche im Zolltarif
gefunden haben, i)
Ueber die Drogenzollpositionen referierten die Reichstagsabgeordneten
Dr. Müller-Meiningen, Dr. Beniner, Lurz und
Antrick.
Brom ist zollfrei gewesen und geblieben. Es war jedoch
von einer Seite in der Zolltarifkommission der Antrag gestellt
worden, für Brom einen Zollsatz von M. 100 einzustellen. Der
Antrag ward damit begründet, dass ein Kampfmittel geschaffen
werden solle gegen die Vereinigten Staaten, die das einzige
Konkurrenzland seien. Dagegen wurde von seiten des Reichsamts
des Innern ausgeführt, dass seit Jahren nur ein Doppelzentner
Brom jährlich eingeführt werde, ausgeführt dagegen
2281 Doppelzentner. Das Syndikat habe den Preis in ganz
kurzer Zeit von M. 293 auf 375 erhöht. Amerika habe gar
kein Interesse daran, den einen Doppelzentner billiger einzuführen.
Die Regierung habe überdies gar keine Veranlassung
das Syndikat auf irgend eine Weise zu unterstützen. Auch
von der Seite der Kommission wurde diesen Ausführungen vom
Regierungstische beigetreten. Es wurde gesagt, dass ein Zoll
von M. 100 eine Erhöhung des Brompreises um M. 100 bedeuten
würde, und die Brom verbrau eher dadurch umgemein
geschädigt werden würden. Dagegen wurde vom Antragsteller
ausgeführt, dass es schon früher zu Zwistigkeiten zwischen dem
deutschen und amerikanischen Syndikat gekommen sei. Dazu
sei das deutsche Syndikat gezwungen gewesen, amerikanisches
Brom aufzukaufen, um es zu vernichten.
Von Regierungsseite dagegen wurde darauf verwiesen, dass
die Bromerzeugung sehr rentabel gewesen sei; als der oben bel
) Stenographische Berichte der deutschen Reichstagsverhandlungen
1902/03. 231. Sitzung vom 5./12. 1902.