Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

388 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
und im Jahre 1606 kam es bei einem neuen Umgang zu offener 
Bewalt gegen dessen Teilnehmer. 
Da griff der Kaiser, nach milderen Maßregeln, endlich in 
seiner Weise durch; er beauftragte den Herzog Marximilian 
von Baiern mit dem Schutze des katholischen Bekenntnisses in 
der Stadt. Maximilian, obwohl erst 84 Jahre alt, war doch 
schon im Reiche als einer der eifrigsten katholischen Fürsten be— 
kannt; er rückte in die Stadt, der ein wiederholter Tumult 
inzwischen die kaiserliche Acht zugezogen hatte, mit 6000 Mann 
zu Fuß und 600 zu Roß wie ein Eroberer ein, übernahm die 
Verwaltung, begünstigte den Katholizismus auf jede Art und 
erklärte, die Stadt in Pfand behalten zu wollen — bis zum 
Ersatze der Kriegskosten. 
Es war ein GEreignis, das die Protestanten aufs Mächtigste 
erregte. Und es fiel in den Beginn eines neuen Reichs— 
tages. Und man wußte, daß der Kaiser neuer Einnahmen be— 
durfte, nicht bloß gegen die Türken, sondern auch zur Be— 
friedung seiner eigenen Lande. 
Sollten nun die Protestanten unter diesen Umständen den 
Kaiser durch Bewilligungen unterstützen und dadurch das in 
Donauwörth Vorgefallene gleichsam billigen? Für die Korre— 
spondierenden war daran nicht zu denken. Aber auch die 
konservativ⸗protestantischen Elemente waren dazu keineswegs 
bereit. Auch sie waren über die Donauwörther Vorgänge 
empört. Vor allem aber: gerade Sachsen, der führende Stand 
dieser Partei, an sich schon dem Kaiser wenig gewogen, sah in 
den Vorgängen in sterreich Symptome, die zur Verstärkung 
seiner bisherigen Haltung aufforderten. Die protestantische Be— 
wegung in den habsburgischen Ländern hatte ihm immer als 
speziell lutherisch gegolten, deren Kirchen erschienen ihm als 
Tochterkirchen Wittenbergs; darum hatte Kurfürst Christian II. 
schon im Jahre 1604 trotz aller kaiserlichen Gesinnung Rudolf II. 
vor weiterem Vorgehen gegen den Protestantismus sterreichs 
gewarnt. Jetzt nun schickten sich die protestantischen Stände 
Osterreichs soeben an, mit Mathias gegen den katholisch—
	        
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