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gedrungen. Im folgenden Jahre, 1645, sah Holland in der Aktion
in der Ostsee ein geeignetes Mittel, um den höchst unwillkommenen
Plänen Friedrich Heinrichs, der Antwerpen wieder er-
obern wollte, entgegenzuwirken!). So verband sich hier eine rein
städtische Interessenpolitik, diegegen das Schrek-
kensbild einer Befreiung des bisher kaltgestellten Nebenbuhlers
an der Schelde und damit die Schaffung einer erneuten nachbar-
lichen Konkurrenz gerichtet war, mit den schwer ausgleichbaren
Gegensätzen am Sunde, um die Republik zu dem folgen-
schweren Schritte zu bestimmen, durch eine mäch-
tige niederländische Flotte" kampflos unter
den Augen der Dänen den Sund öffnen, /die
Durchfahrt wochenlang kontrollieren zu lassen und Dänemark zu
nötigen, den Angriff auf die schwedische Flotte aufzugeben?). Der
noch in demselben Jahre geschlossene Frieden zu Brömse-
bro verschaffte den Niederländern das, was ihnen im allgemeinen
schon ein Jahrhundert vorher bewilligt war; eine Herabsetzung
des Zolls auf den Tarif von 1544 fand zwar nicht statt, wohl aber
die Beseitigung‘ der verschiedenen Neben:
abgaben und eine allgemeine Herabsetzung des
Tarifs; auch erreichten die Niederländer, daß ihre Waren,
die in fremden Schiffen verfrachtet waren, denjenigen gleichge-
stellt wurden, die in niederländischen Schiffen verladen waren.
Endlich wurde der Glückstädter Zoll, der den Elbhandel belastete,
für die Niederländer abgeschafft. Waren das Zugeständnisse, die
für den niederländischen Ostseehandel sehr wichtig waren, so darf
der Erfolg nicht überschätzt werden; die Zölle waren immer noch
hoch. In Holland und Seeland war man mit dem Erreichten wenig
zufrieden; kaufmännische Unterhändler hätten wahrscheinlich
mehr erreicht?).
Mehr als an einzelnen Tarifsätzen lag jedoch den General-
staaten an einem politischen Gleichgewicht zwischen Dänemark und
Schweden, das eine Gewähr für die dauernde Offenhaltung des
Sundes und einen erträglichen Zustand der Handelsverhältnisse in
der Ostsee bot. Denn das Verhalten Schwedens lehrte bald, daß es
) Kernkamp, S. 180 &}; vgl. auch oben S. ı5.
2 Kernkamp,5$S. 2014
3) Kernkamp, S: 228 {ffi, 245.
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