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Ueberwindung der ersten mit dem Tunnelbetriebe zu
sammenhängenden Schwierigkeiten jetzt anstandslos
funktionieren. Ebenfalls von der genannten Gesellschaft
übernommen wurde die Elektrisierung der schweizer.
Seetalbahn. Die Maschinenfabrik Oerlikon machte, wie
bereits auf S. 14 erwähnt wurde, Versuche auf einer
Bundesbahnstrecke, die voraussichtlich bald zum Ab
schluss kommen. Die Versuche, welche gemacht werden,
haben nicht so sehr den Zweck, gewisse Geschwindig
keiten zu erzielen, wie dies bei dem Versuche Marien
feld-Zossen der Fall ist, — in der Schweiz muss der
Zug anhalten, lange bevor er eine Geschwindigkeit von
200 km erreicht hat — als vielmehr den, die Betriebs
kosten herabzumindern und den Kohlenkauf beziehungs
weise den Kohlenimport möglichst unnötig zu machen.
Eine spezielle Bedeutung gewinnt der Versuch der
Maschinenfabrik Oerlikon dadurch, dass bei ihm eine
Neuerung der Stromabnahme, der Hochspannungs-Ein
phasenstrom, zur Anwendung kommt. Die Besonder
heiten einer derartigen Anlage sind im wesentlichen die
folgenden:*) Das schon vorhandene Rohmaterial (Wagen)
wird unverändert weiter benutzt, der Strom auf der
Maschine (Lokomotive) umgeformt. Die Möglichkeit der
Umformung auf der Maschine selbst bietet den gewaltigen
Vorteil, dass bereits bestehende Kraftquellen an die
Bahn angeschlossen und ausgenutzt werden können.
Um gewisse Strecken elektrisch zu betreiben, braucht
also nicht erst die Herstellung neuer Kraftquellen ab
gewartet werden. Ein einphasiger Wechselstrom von
14,000 Voll Spannung bedingt nur einen Leitungsdraht
von 8 mm Durchmesser. Die Leistung der Lokomotive
*) Schweizerische Handelszeitung 1904, No. 32.