einzelne Unternehmer, meist Tiroler Familien, verliehen. Die
Füger, Tänzl, Stöckl und der aus Salzburg stammende, dann
in Rattenberg ansässige Virgil Hofer waren die bedeutendsten
dieser Schmelzherrn oder Gewerken. Sie erhielten jedoch das
von ihnen gewonnene Erz nicht zum freien Verkauf, sondern
mussten dasselbe nach Hall in die Münze liefern, wo sie für jede
Mark Silber 5 fl (später mehr) erhielten. Soweit das Edelmetall
nun nicht vermünzt wurde, verwendete es der Landesfürst
— seit 1446 der- trotz seines Beinamens der „Münzreiche“ stets
geldbedürftige Herzog Sigismund — dazu, Bargeld aufzu
nehmen. Man verschrieb kapitalkräftigen Kaufleuten, die
Geld darliehen, Silber, das diese dann in Venedig auf den Markt
brachten. Die Rückzahlung des Darlehens geschah nun in der
Weise, dass der Kaufmann als Empfänger des Silbers an die
Stelle des Landesherrn trat und den Gewerken die ihnen zu
stehenden 5 fl bezahlte. Da nun die Mark Silber einen Kurs
wert von ungefähr 8 fl hatte, so konnte die Differenz, der sog.
Silberwechsel, als Tilgungsquote für das Darlehen benützt
werden. Neben dieser besonders anfangs häufigen Art der Rück
zahlung kamen gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch noch
andere vor, die uns im Zusammenhang der Darstellung noch
begegnen werden. Seit dem Jahre 1470 war Sigismunds Haupt
geldgeber ein Kufsteiner Kaufmann Hans Baumgartner 1 ), der
in Handelsgesellschaft stand mit Hans Knoll von Salzburg.
Diese beiden Kaufleute behaupteten bis 1487 fast unbestritten
ihren Platz als Sigismunds Geldquelle. Die Not des venezia
nischen Kriegs und die an Venedig zu zahlende Entschädigung
zwang dann Sigismund, sich nach einem kapitalkräftigeren
») Es kann bei der zufälligen Gleichheit der Familien- und Vor
namen nicht ■wundernehmen, wenn dieser Kufsteiner Baumgartner
immer mit unserm Augsburger Hans Päumgartner identifiziert wurde,
z. B. von Ehrenberg: Zeitalter d. Fugger I S. 192, und dann von
S t r i e d e r a. a. O. S. 53. In Wirklichkeit haben wir es jedoch mit
zwei völlig verschiedenen Personen zu tun, die auch zwei ganz ver
schiedenen Familien angehörten. Der Kufsteiner Hans Baumgartner
ist bereits im Jahre 1462 in Tirol tätig, also zu einer Zeit, wo Hans
Paumgartner noch als vierjähriges Kind in Nürnberg lebte. Uebrigens
hat bereits Jansen (Jacob Fugger d. R. S. 13) die richtige Behauptung
aufgestellt, dass die beiden Hans Baumgartner auseinanderzuhalten
seien. Ueber Hans Baumgartner von Kufstein und seine Familie gibt
ein Exkurs die wichtigsten Nachrichten. (S. 1 ic> ff.)