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Sektion VII: Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.
In China liegt es also so, da Seide und Tee doch auch zur landwirt
schaftlichen Produktion zu rechnen sind, dass auch heute noch etwa
vier Fünftel der Ausfuhr dieser entstammen, aber in viel grösserer Man
nigfaltigkeit als früher. Kaum ein Fünftel der chinesischen Ausfuhr sind
gewerbliche Erzeugnisse, und von diesen dient ein Teil der Deckung
des Bedarfs von Chinesen im Auslande. Damit hängt auch zusammen,
dass in diesen letzten 15 Jahren der Handel der nördlichen und der
Yangtsehäfen viel grössere Fortschritte gemacht hat, als der Südchi
nas und der Gegend um Shanghai. Ohne die Störungen des Han
dels der nördlichen Häfen durch die Wirren von 1900/01 und den russi
schen Krieg würde sich diese Entwickelung noch ausgeprägter dar
stellen.
Damit hängt aber auch zusammen das relative Zurückbleiben gegen
über Japan. Wenn die Zunahme der chinesischen Ausfuhr und damit
die chinesische Kaufkraft für Importe bis auf weiteres wesentlich auf
landwirtschaftlichen Rohstoffen beruht, so kann diese Zunahme nur
verhältnismässig langsam erfolgen, denn der ausschliesslich herrschende
landwirtschaftliche Kleinbetrieb kann seine Produktion nicht plötzlich
steigern. Die Steigerung der Ausfuhrmenge wird vor allem durch Er
schliessung weiterer Gebiete durch verbesserte Verkehrsmittel erfolgen.
Aber sie wird auch dadurch nicht sehr rasch erfolgen können, und man
wird gut tun, sich nicht übertriebenen Hoffnungen hinzugeben über die
in erster Zeit zu erwartenden, zu befördernden Gütermengen.
Ganz anders ist das Bild, das uns Japan darbietet. Ich darf mich
hier beziehen auf die Untersuchungen, die ich in meinem Büchlein über
„Die Japaner und ihre wirtschaftliche Entwickelung“*) veröffentlicht
habe. Die seitdem bekannt gewordene Handelsstatistik für 1904 setzt
trotz des Krieges die dort nachgewiesene Bewegung fort, welche Ende
der achtziger Jahre begonnen hatte. Auf die damals wichtigsten 5 Aus-
tuhrartikel, auf Seide, Tee, Reis, Kupfer und Kohle, also Erzeugnisse der
Landwirtschaft und des Bergbaus, kamen in den achtziger Jahren etwa
drei Viertel des ganzen Ausfuhrwertes. Trotz der grossen Zunahme
von Seide, Kupfer und Kohle waren es in den letzten Jahren nicht mehr
die Hälfte (1903: 46 Prozent, 1904: 44 Prozent). Auf die wichtigeren
Naturprodukte (Erzeugnisse der Fischerei, Lebensmittel, Drogen, Öl und
Wachs, Nutzholz) kamen damals 10 bis 11, jetzt 9 Prozent, auf Japan
waren gar nur 5 und 3V* Prozent der Ausfuhr. Alle die genannten
Dinge zusammen stellten vor 15 Jahren noch neun Zehntel, jetzt nicht
mehr drei Fünftel der absolut ja sehr stark gewachsenen Ausfuhr dar.
') Leipzig, Teubner 1905.