Schlesien.
Obwohl Schlesien bedeutende Metall- und Maschinenindustrie hat
— sind doch rund 100000 Beschäftigte vorhanden —, so ist im Gegensatz
zu anderen Provinzen, wo die Ausdehnung der Industrie lange nicht in
dem Maße wie in Schlesien vorhanden, die Heimarbeit nur wenig
vertreten. Einmal liegt das daran, daß die hier hergestellten Artikel
zumeist einer maschinellen Bearbeitung unterworfen sind. Aber selbst
da, wo dies nicht der Fall, die hausindustrielle Beschäftigung also
durchführbar wäre, gewinnt es den Anschein, als ob die Mehrzahl der
schlesischen Unternehmer die hausindustrielle Beschäftigung, die Heimarbeit
als wenig produktiv, als unlohnend betrachten. Denn während
in anderen Industrien die Zahl der Heimarbeiter zugenommen, ist bei
uns ein fortgesetzter Rückgang zu verzeichnen. Zumeist dürfte dieser
Rückgang darin begründet sein, daß bei der äußerst scharfen gegenseitigen
Konkurrenz der Unternehmer kein Raum und Platz für die
weniger Gewinn versprechendere und auch unkontrollierbarere Heimarbeit
ist. Dies gilt besonders für die Uhrenindustrie, in der früher,
bis zum Jahre 1899, die Zahl der Heimarbeiter etwa 25 Prozent
gegenüber den fabrikmäßig beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen
betrug. Doch davon weiter unten. — Heimarbeit ist, soweit unsere
Gewerbe in Betracht kommen, in der Uhrenindustrie, der Messerund
Scheren-, der Gold- und Silberwaren- und der Nadel-,
Schnallen- und Knopfindustrie anzutreffen.
In der Uhrenindustrie, die ihren Sitz in Schweidnitz und
Areiöurg hat, sind nur am letzteren Orte Heimarbeiter vorhanden und
zwar höchstens 20 Personen. Diesen stehen zirka 400 industriell fabrikmäßig
beschäftigte Metallarbeiter gegenüber. Zumeist sind es Frauen,
die die Heimarbeit verrichten. 13 bis 14 Personen erhalten die Arbeit
von den Vereinigten Uhrenfabriken, Aktiengesellschaft. Die anderen
5 bis 6 rekrutieren sich aus Mitgliedern der Uhrenfabrik Urania zu
Polsnitz, Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Während letztere um
eine Hilfskraft zu sparen, Arbeiten mit nach Hause nehmen, die Heimarbeit
bei ihnen also Nebenberuf ist, sind die ersteren völlig auf den
Erwerb durch Heimarbeit angewiesen. Diesen Frauen, zumeist Witwen,
oder wenn keine Frauen, Invaliden und sonstigen mehr oder weniger
kranken Personen, wird die Heiniarbeit als eine Vergünstigung angerechnet,
und erhalten sie die Arbeit nur mit nach Haus, weil sie aus
irgend einem Grunde nicht in die Fabrik gehen können. Die Heiinarbeit
ist also bis aufs äußerste eingeschränkt. Während noch bis zunr