Sachsen: Obererzczcbirge, Vogtland — Klingenthal, Zwota.
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arbeitet seinerzeit eine große Erregung hervorgerufen. Sie waren eben
auf die Kinderarbeit angewiesen und haben keine Ahnung von der
hohen kulturellen Bedeutung dieses Verbots.
In den Wohnräumen selbst wird nicht gearbeitet. Trotzdem sind
die Zustände in sanitärer Hinsicht nlitunter haarsträubend. Die Arbeitsräume
find für die Zahl der darin beschäftigten Personen viel zu
klein und vor allen Dingen zu niedrig. In diesen Räumen sind, bei
den Weißblechklempnern, Lötofen aufgestellt. Durch das fortwährende
Löten wird die Luft infolge des Gebrauchs von Salmiak und verdünnter
Salzsäure vollständig verdorben. Betritt man einen solchen Raum, so
benimmt der Dunst dem Besucher fast den Atem. In einer Werkstatt
von 8 Meter Länge, 4 Meter Breite und 2'st Meter Höhe arbeiteten
10 Personen, nämlich der Meister, ein Gehilfe, ein Mädchen, sechs
Lehrlinge und der alte Vater des Meisters. Drei davon saßen ständig
anr Lötofen. In einer anderen Werkstatt, welche zirka 4 Meter lang,
3 Meter breit und nur 2 Meter hoch war, traf ich 5 erwachsene Personen
bei der Arbeit. Früher sollen 6 Personen darin gearbeitet haben.
Von den 5 Personen arbeiteten 2 an, Lötofen. In einer dritten Werkstatt
arbeitete der Meister, ein Gehilfe, ein Lehrling, die Frau und
ein 7- bis 8jähriger Knabe des Meisters. Außerdem hielten sich noch
zwei Kinder im Alter von ungefähr 3 und 4 Jahren darin auf. Das
vierjährige Kind reichte der Mutter Drähte zu, welche diese in Reibeisen
einzog. Der 7- bis 8jährige Knabe saß mit am Lötofen und
bestrich für den Lehrling und den Gehilfen, welche löteten, Siebe mit
Lötwasser (verdünnte Salzsäure). Wer diese Arbeit kennt, weiß auch
ihre gesundheitschädliche Wirkung selbst für den Erwachsenen zu beurteilen.
Der Organismus eines zarten Kindes muß bei solcher Arbeit unter
allen Umständen schwer geschädigt werden.
Was nützen hier alle Verbote von Kinderarbeit, wenn keine Kontrolle
da ist. Warum unterstellt man solche Betriebe nicht der Gewerbeinspektion
?
Am erbärmlichsten sind die Zustände bei den Arbeitern der Musikinstrumentenmacherei
im Mogtkand. Ganz besonders schlecht gestellt
sind hier wieder die Arbeiter in Kkingenthast Zwota und Umgegend.
Hier werden Zieh- und Mundharmonikas gemacht. Das Elend was
da herrscht, ist einfach unbeschreiblich. Die schauderhaften Zustände
der Konfektionsbranche werden hier weit übertroffen. Inmitten einer
herrlichen Natur, schönbewaldete Berge wechseln mit anmutigen Tälern,
wird durch eine geradezu verbrecherische Produktionsart ein Menschenstamm
zugrunde gerichtet. Not und Entbehrung habe ich in jungen
Jahren am eigenen Leibe kennen gelernt. Meine Tätigkeit in späteren
Jahren gab mir sehr oft Gelegenheit, fremdes Elend zu schauen, so daß
ich gewissermaßen damit vertraut bin. Trotzdem wirbelte mir der Kopf
und mehr als einmal mußte ich Tränen unterdrücken, als sich mir
auf meinem Rundgang durch die Hütten dieser Arbeiter ein Elend
offenbarte, das sich nicht beschreiben läßt. Keine Feder ist gewandt,
keine Zunge beredt genug, um dies zu schildern. Das muß man
gesehen haben, um es begreifen zu können. Was anderwärts
der Alkoholismus anrichtet, besorgt hier der Hunger nnd die Arbeitszeit.