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Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie.
Nämlich die absolute Tötung des Geistes, die Zerrüttung des Körpers
und die völlige Vertierung der Menschen. Schnaps wird keiner getrunken.
Selbst dazu langt der Verdienst nicht, um im elendesten Fusel,
wie es oft anderwärts geschieht, das Elend zu betäuben. Trockenes
Brot, schwarze Cichorienbrühe und Kartoffeln bilden die ganze Nahrung.
Viele haben dies auch nicht immer. Der Hering ist bei einer großen
Zahl ein Sonntagsgericht, was sich nicht jeder leisten kann. Essig und
Zwiebel hineingeschnitten ist die Zutat zu den Kartoffeln. Viele, sehr
viele bekommen das ganze Jahr kein Stück Fleisch in den Mund. Nur
den Bessergestellten ist es vergönnt, sich Sonntags ein halbes Pfund
Fleisch für die ganze Familie kaufen zu können. Dann müssen wir
uns aber Montags einschränken, ivurde mir wiederholt versichert. Das
Aussehen der meisten dieser Armen ist schauderhaft, durchweg welke,
schwächliche Gestalten mit blutleeren, gelblichen Gesichtern, nicht einmal
in den Lippen entdeckt man eine Spur von Röte - und das bei Menschen
im Alter von 20 bis 30 Jahren. Trübe, ohne jeden Glanz schimmern
die Augen im Gesicht. Diese Menschen können nicht lachen. Selbst
die Kinder schleichen abgespannt und gleichgültig einher. Von einer
Fröhlichkeit der Jugend ist nichts zu spüreu. Auch keine Ängstlichkeit
oder Neugier bei Eintritt eines Fremden habe ich wahrgenommen, was
doch sonst den Kindern eigen ist.
Die Fabrikanten lassen nur das, was aus technischen Gründen
unbedingt in den Fabriken hergestellt iverden muß, in letzteren herstellen.
Alle andere Arbeit geben sie den Heimarbeitern. Die Teilarbeit ist
bis ins kleinste durchgeführt. Die Metallplatten zu Mundharmonikas
werden in der Fabrik gestanzt. Nachdem erhält sie der Stiftemacher.
Dieser fertigt aus Draht kleine winzige Stifte und macht diese auf
der Metallplatte fest. Nun sommert die Platten zum sogenannten
Richter. Hier werden die kleinen Metallplättchen, welche den Ton
geben, auf die Stifte aufgedrückt nnb vernietet. Diese Arbeit muß sehr
genau gemacht werden, wenn das Blättchen nicht ganz genau sitzt, kann
es nicht schwingen und gibt infolgdessen keinen Ton. Hierauf müssen
alle Plättchen durchprobiert werden, ob sie schwingen. Die letzte Arbeit
ivird vom Stimnrer gemacht. Auf einem sognnannten Stimmtisch
werden mittelst Blasebalg die Stimnren einzeln auf ihren Ton untersucht
und das Stimmblättchen mit einer kleinen Feile solange gefeilt,
bis es den richtigen Ton gibt. Die Frau des Stiinmers nagelt dann
die Platten ans die Hölzer auf. Ist dies geschehen, muß der Mann
die Harmonikas nochmals mit dem Munde probieren. Die Stiftemacher
müssen den Draht zu den Stiften und die Stimmer die Nägel zum
Aufnageln selbst kaufen. Das erforderliche Werkzeug muß sich jeder
Arbeiter ebenfalls selbst beschaffen. Auf ähnliche Weise wie die Mundharmonikas
werden auch die Ziehharmonikas hergestellt. Nur daß der
Richter, an den bedeutend stärkeren Metallplatten, die Stimmlöcher
ausfeilen und dann die Platte selbst abfeilen muß.
Die ganze Familie und auch die Kinder müssen bei der Arbeit
mithelfen. Die Arbeitszeit ist grenzenlos. Je nachdem wird mit der
Arbeit morgens um 5, 6 oder 7 Uhr begonnen und ununterbrochen bis
abends 10, 11, 12 Uhr und noch länger gearbeitet. Das ist regulär.