Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

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Die  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  iu  der  Metallindustrie.

Teile  der  in  der  Fabrik  tätigen  Arbeiter  Arbeit  mit  nach
Hause,  um  sie  nach  Feierabend  mit  Weib  und  Kind  fertig  zu  stellen.
Die  Oberstein-Jdaer  Industrie  hat  sich  aus  kleinen  Handwerksbetrieben ­
  entwickelt.  Die  Mehrzahl  der  letzteren  sind  in  diesem  Konkurrenzkampf ­
  als  selbständige  Existenzen  zugrunde  gegangen  und  fristen
jetzt  ihr  Dasein  als  Heimarbeiter.  Ist  ihr  Los  heute  auch  nicht  beneidenswert, ­
  so  erscheint  es  gegen  die  Zeit,  wo  noch  größere  Selbständigkeit ­
  mit  geringerem  und  zweifelhaftem  Absatz  den  kleinen  Handwerksmann ­
  ausmachte,  gesichert.  Die  Fortschritte  der  Technik,  die  sich  nur
der  Großbetrieb  zunutze  machen  kann,  hat  diese  Kleinhandwerker  mit
ihren  unvorteilhaften  Arbeitsmethoden  und  mangelhaften  Hilfswerkzeugen
von  den  Großbetrieben  abhängig  gemacht  und  ihnen  dadurch,  daß  sie
jetzt  gut  vorgerichtete  Bestandteile  leichter  als  früher  weiter  bearbeiten
können,  einen  besseren  Verdienst  gesichert,  als  sie  ihn  sich  selber  zu
schassen  vermochten.  Dieser  Umstand  trägt  nicht  unwesentlich  dazu  bei,
daß  bei  den  Obersteiner  Heimarbeitern  noch  Überbleibsel  der  früheren
handwerksmeisterlichen  Unnahbarkeit  vorhanden  sind.
Die  Arbeitszeit  ist  nur  in  den  Fabriken  geregelt  und  beträgt  daselbst ­
  10  Stunden.  Zu  Hause  geht's  nach  Feierabend  aber  häufig
genug  bis  12  Uhr  nachts.  Diejenigen,  die  ausschließlich  als  Heimarbeiter
arbeiten,  benützen  jeden  Augenblick  von  morgens  4  oder  5  Uhr  bis  nachts
12  und  1  Uhr.
Als  Arbeitsraum  dient  meist  die  Küche,  die  der  Heizersparnis
halber  meist  Wohn-,  Koch-  und  Arbeitsraum  iu  einem  darstellt.  Die
Wohnungsmieten  stellen  sich  aus  18  bis  20  Mk.  pro  Monat  für  drei
kleine  einfensterige  Zimmer  nebst  Küche,  die  Lebensmittelpreise  werden
als  großstädtische  bezeichnet.
Die  Preise  für  die  Arbeiten  sind  im  Lause  der  letzten  Jahre  außerordentlich ­
  herabgedrückt  worden.  Den  Arbeitern  fehlt  jeder  organisatorische ­
  Rückhalt,  so  daß  die  Unternehmer  in  den  Fabriken  und  Werkstätten ­
  Abzug  auf  Abzug  vornehmen  können.  Gedrängt  werden  die
Unternehmer  durch  die  in  üppiger  Blüte  stehende  Schundkonkürrenz,
die  sie  sich  gegenseitig  bereiten.  Erleichtert  wird  ihr  Vorgehen  durch
die  gelegentliche  Heimarbeit,  die  den  Fabrikarbeitern  neben  ihrem  durch
Fabrikarbeit  erzielten  Lohne  noch  einen  Nebenverdienst  schasst.  Hierzu
kommt,  daß  viele  auf  den  umliegenden  Dörfern  wohnende  Kleinhäusler
auch  die  Söhne  und  Töchtern  von  Bauern  für  die  Zeit,  welche  die
Bestellung  ihrer  Felder  ihnen  frei  läßt,  Arbeit  zu  den  Preisen,  wie  sie
in  Oberstem  bezahlt  werden,  übernehmen.
Die  Kinderarbeit  steht  in  üppigster  Blüte.  Kaum  daß  die  Kinder
auf  den  Tisch  hinaufreichen  können,  müssen  sie  mithelfen  verdienen.
Echte  Ware  (in  Edelmetallen)  wird  überhaupt  nur  sehr  wenig,  in
der  Hausindustrie  aber  fast  gar  nicht  gemacht.  Diamantschleiferei  ist
ist  nur  Fabrikbetrieb,  ebenso  die  Achatschleiferei.  Als  Heimarbeit  wird
neben  dem  Bohren  und  Gravieren  von  Edel-  und  Halbedelsteinen
(Opalen,  Amethysten,  Achaten)  in  der  Hauptsache  die  Bearbeitung  von
Unedelmetallen  zu  Ketten,  Gürtlerei-  und  Bijouteriewaren  betrieben.
Was  den  Verdienst  anbelangt,  so  übersteigt  er  bei  den  Fabrikarbeitern
in  seltenen  Fällen  15  bis  16  Mk.,  Arbeiter,  die  20  Mk.  verdienen,  ge ­
            
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