Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

Die  Gifel,  Lothringen,  Oberstem

Bei  weitem  nicht  so  dicht  mit  Hausindustrie  besetzt  wie  Thüringen
sowie  Rheinland  und  Westfalen  und  gleichsam  mehr  eine  neutrale  Zone
zwischen  Nord-  und  Mitteldeutschland  bildet  Hessen  und  das  südliche
Rheinland.  Die  Heiinarbeit  als  ausschließliche  Beschäftigung  ist  in
diesem  Teile  schwächer  vertreten.
In  Kassel  unb  Sinzig  am  Rhein  sind  vereinzelte  Arbeiter,  die
die  Federn  zu  den  Chapeau  claques  anfertigen.  Ihre  Zahl
beträgt  kaum  mehr  als  ein  halbes  Dutzend,  so  daß  ein  Eingehen  darauf
sich  nicht  recht  verlohnt,  außerdem  sind  nicht  einmal  alle  ausschließliche,
sondern  die  Mehrzahl  gelegentliche  Heimarbeiter.
In  Wascheid,  Lascheid,  Auw  und  in  der  Schneeeisel  ist  etwas
Kleineisenindustrie,  allerdings  sehr  verstreut,  ebenfalls  in  dem  in  der
Nähe  befindlichen  Orte  Schleiden,  die  hausindustriell  betrieben  wird.
In  nennenswerterem  Umfang  ist  in  Gerolstein,  Aohm,  Wockeskyll
und  Wüscheich  (ebenfalls  Eifel)  die  Heimindustrie  vertreteu.  Es  befinden ­
  sich  dort  Werkstätten  für  Ratten-,  Mäuse-  und  Wildfallen
und  werden  auch  zahlreiche  Arbeiten  an  Heimarbeiter  vergeben.  Es
gelang  bisher  allerdings  noch  nicht,  Fühlung  mit  diesen  Arbeitern  zu
bekommen  und  ist  eine  auch  nur  schätzungsweise  Angabe  der  Zahl  der
Heimarbeiter  ausgeschlossen.
In  Weilstein  unb  Gngelport  a.  d.  Mosel.  wird  die  Herstellung
von  Nippes  (Gußwaren)  und  in  Aplingen,  Webringen,  Gebenhausen,
Gberhost  und  Sevtingen  (Lothringen)  die  Herstellung  von  Schmuckgegenständen ­
  in  Glas,  Perlen  und  in  Metall  hausindustriell  betrieben. ­
  Auch  hier  war  es  bisher  nicht  möglich,  irgend  welchen  Anschluß ­
  zu  erhalten.
Das  wichtigste  Gebiet  der  Heimindustrie  im  südlichen  Rheinland,  in
dem  es  auch  gelungen  ist,  vermittelst  der  gewerkschaftlichen  Organisation
Anschluß  zu  bekommen  und  die  Verhältnisse  zu  beobachten,  ist  das
Gebiet  in  und  um  Oberstem  an  der  Nahe.
Oberstem  a.  d.  Wahr  und  Adar  ist  seit  Jahren  der  Sitz  der
lkhrketten-,  Bijouterie-  und  Achatmarenfabrikation.  Vertreten
sind  die  Edel-  und  Unedelmetallindustrie  und  die  Halbedelsteinschleiferei,
letztere  vornehmlich  in  Idar,  erstere  in  Oberstein.  Beschäftigt  sind  in
dem  Industriegebiet  zirka  5000  Personen,  von  denen  zirka  2500  in
Fabriken  tätig  sind.  Die  übrigen  sind  sowohl  in  den  Orten  als  auch
in  den  umliegenden  Dörfern  als  Heimarbeiter  tätig.  Neben  diesen
ausschließlichen  Heimarbeitern  nehmen  aber  noch  zirka  drei  Viertel
            
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