Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

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Die  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

denen  jährlich  für  eine  Million  Mark  Zinnfiguren  gefertigt  werden.
Zwei  Drittel  dieser  Produktion  geht  ins  Ausland,  ein  Drittel  nimmt
das  Inland  auf.
Nach  einer  nicht  im  Buchhandel  erschienenen  wirtschaftlichen  Studie
über  die  Heimarbeit  beträgt  die  Zahl  der  Heimarbeiterinnen
(Zinnmalerinnen)  500  bis  600.  Die  größte  Zahl  hiervon  wird  in
Fürth  beschäftigt.  Die  Witwen  und  Frauen,  welche  Zinn  malen,  ziehen
auch  die  Kinder  in  unverantwortlicher  Weise  zu  dieser  Arbeit  heran.
Durch  die  im  Schulbezirk  Fürth  im  Jahre  1898  gepflogenen  Erhebungen ­
  ivurde  amtlich  festgestellt,  daß  im  ganzen  151  Schulkinder
(86  Knaben  und  65  Mädchen)  mit  Zinnmalen  beschäftigt  iverden.
Ebenso  groß  dürfte  die  Zahl  der  noch  nicht  schulpflichtigen  Kinder  sein,
welche  ebenfalls  zu  dieser  Arbeit  herangezogen  werden.  Die  Arbeitszeit
der  schulpflichtigen  Kinder  beträgt  nach  der  Enquete  10  7*  bis  12  7*  Stunden
täglich  ausschließlich  der  Schulzeit.  Rechnet  man  die  Schulzeit  mit
fünf  Stunden  täglich,  so  ergibt  sich  eine  Arbeitszeit  von  täglich  fünfzehn
his  siebzehn  Stunden  für  diese  armen  Kinder.  Auch  am  Sonntag
müssen  die  Frauen  und  Kinder  den  ganzen  Tag  arbeiten,  vorausgesetzt,
daß  es  nicht  an  Aufträgen  mangelt.  Die  Frauen,  welche  diese  Arbeit
verrichten,  haben  ebenfalls  eine  fünfzehn-  bis  siebzehnstündige  Arbeitszeit ­
  täglich.  Zur  Zeit  der  Hochkonjunktur  müssen  alle  Woche  zwei  bis
drei  Freinächte  gemacht,  das  heißt  die  ganze  Nacht  durchgearbeitet
werden.  Eine  Frau  gab  an,  daß  sie  sehr  oft  morgens  2  Uhr  fast  bewußtlos ­
  ins  Bett  gehoben  werden  müsse.  Die  Arbeitszeit  richtet  sich
hauptsächlich  darnach,  ob  die  Frau  einen  kleineren  oder  größeren  Nebenverdienst ­
  erzielen  muß,  und  daß  sie  in  der  notwendigen  Zeit  nicht  zu
wenig  liefert,  weil  sie  sonst  Gefahr  läuft,  bei  der  schlechten  Zeit  keine
Arbeit  zu  erhalten.
Der  Verdienst  der  Zinnmalerinnen  richtet  sich  zunächst  nach  deren
Geschicklichkeit,  in  zweiter  Linie  nach  der  Art  der  Feinheit  der  Arbeit.
Man  unterscheidet  sie  in  ordinäre,  halbfeine  und  feine  Ware.  Die
letztere  ist  die  bestbezahlte.  Eine  geschickte  Zinnmalerin  verdient  ohne
fremde  Hilfe  bei  einer  zehn-  bis  zwölfstündigen  Arbeitszeit  täglich  in
der  Woche  höchstenfalls  einen  Bruttoverdienst  von  5  Mk.  Davon  geht
ab  für  die  Farben,  Lack,  Spiritus,  Pinsel  und  Licht,  was  sie  alles
selber  stellen  muß,  pro  Mark  13  Pf.,  mithin  bleibt  ein  Nettoverdienst
von  4,35  Mk.  Das  Arbeitszimmer  ist  zugleich  Wohnzimmer,  mitunter
auch  Schlafzimmer.  Die  Zinnmalerinnen  klagen  alle  über  verdorbene
Augen  und  über  Augenschmerzen.  Die  Ursachen  für  diese  Augenleiden
liegen  nach  Mitteilungen  des  Augenarztes  Dr.  v.  Förster-Nürnberg  in
der  Überblendung  des  Auges  durch  den  Farbenglanz,  durch  die  Übermüdung ­
  des  Auges  infolge  der  langen  Arbeitszeit  und  ferner  an  der
Nachtarbeit  bei  schlechter  Beleuchtung.  Auch  bei  den  hierbei  beschäftigten
Kindern  stellen  sich  sehr  frühzeitig  diese  Augenleiden  ein.
Die  Metallschlägereien  von  Anriß  und  wo  sie  sonst  noch  vorkommen, ­
  wie  Schwab  ach,  Zirndorf,  Lech  hausen,  München,  Dresden,
Großschönau,  Zittau,  bei  Prag  in  Böhmen  u.  s.  w.  können  direkt  zu
der  Hausindustrie  gerechnet  werden.  In  sehr  vielen  Betrieben  besteht
das  ganze  Arheitspersonal  aus  dem  Meister  und  seiner  Familie.  Das
            
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