fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

Die außenpolitischen Aufgaben der Wirtschaft, 517 
kehr belebt. Die deutsche Wirtschaft kann nicht Frachten tragen, die 
doppelt so hoch sind wie die des konkurrierenden Auslandes. 
Eine schwere Überlastung bedeuten auch die riesig erhöhten 
Telephon-, Telegramm- und Geldverkehrsgebühren der Post. Betrugen 
deren Gebühreneinnahmen vor dem Kriege im heutigen Gebietsumfang 
etwa 850 Millionen Mark, so erreichen sie jetzt 1800 Millionen Reichs- 
mark, Alle Erweiterungs- und Verbesserungsbauten und Neuanlagen 
werden aus den laufenden Einnahmen gedeckt; kein Pfennig fließt 
in die Reichskasse, Auf Kosten der Wirtschaft wird eine riesige 
Thesaurierungspolitik getrieben. 
Dasselbe tun die Gemeinden mit ihren Betriebswerken: Elektrizi- 
täts-, Gas- und Wasserwerken. Sie erheben erhöhte Gebühren, schaffen 
daraus gewaltige Neu- und Erweiterungsanlagen, die früher aus An- 
leihen bestritten wurden, und führen nichts in den Stadtsäckel ab, wo- 
durch die Steuerlasten natürlich wachsen. 
VIIL 
Der Privatwirtschaft wird durch all dies das Betriebskapital ent- 
zogen und der Kredit aufs furchtbarste verteuert. Leihgeld ist in 
Deutschland so teuer, daß die Betriebe die Zinsen dafür nicht heraus- 
wirtschaften können; ja, meist können sie es überhaupt nicht erlangen. 
Alles Thesaurieren der öffentlichen Hand ist heut vom Übel, Wo es 
sich um werbende Vermögensanlagen handelt, soll sie deren Kosten 
durch langfristige Auslandsanleihen aufbringen, die sie günstiger er- 
halten kann wie Private, Für letztere hat der Auslandskredit, ganz 
besonders der kurzfristige, seine schweren Gefahren. Freilich auch 
Ländern und Gemeinden gegenüber kann das Reich nicht auf eine 
Kontrolle der Auslandsanleihen verzichten, soll nicht die Gefahr einer 
neuen Inflation heraufbeschworen werden. 
Industrie und Handel können auch ihrerseits wesentlich zur Hebung 
der Ausfuhr beitragen. Sie müssen den nach dem Kriege eingerissenen 
Leerlauf restlos abbauen, müssen zur sorgfältigen Pfennigkalkulation 
und zu dem Geschäftsprinzip „Großer Umsatz, kleiner Nutzen‘ zurück- 
kehren, Senkung der Herstellungskosten und des Preisniveaus für In- 
wie Ausland muß ihr Programm werden. Hochhalten der Inlandpreise, 
um billig exportieren zu können, treibt die Herstellungskosten in die 
Höhe und verschleudert die Vermögenssubstanz, bringt uns in den Ruf 
zu dumpen und verschärft im Ausland die Neigung, sich gegen deutsche 
Waren abzusperren, Unser Zolltarif darf nicht der Erhöhung der 
Inlandpreise, sondern nur als Kompensationsobjekt bei Verhandlungen 
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