Full text: Russlands Bankerott

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handenen Eisenbahnen große Transporte an Kohlen, Eisen, Schotter 
und anderen Massenartikeln. Daher mußte die Vermehrung der Eisen 
bahnen, die am Ende äußerst ungünstig wirken wird, und schon wirkt, 
in der Zwischenzeit das Betriebsergebnis auch vorteilhaft beeinflussen. 
Hören die Neubauten auf, so fallen auch diese Transporte fort und damit 
ein Teil der Einnahmen. 
In jedem Fall ist das Ergebnis unleugbar, daß die Lage der 
russischen Staatsfinanzen durch die Vergrößerung des Eisenbahnnetzes, 
die meistens nicht nach wirtschaftlichen, sondern nach militärischen Gesichts 
punkten erfolgte, in hohem Maße verschlechtert worden ist. Ueber dieses 
Ergebnis sind alle kompetenten Kritiker einig. Wenn Helfferich auf Grund 
seiner Studien sich eine andere Ansicht gebildet und diese entsprechend 
begründet hätte, so wäre nichts dagegen zu sagen. Er hat aber die um 
fangreiche Literatur, in welcher die Fabeln von Witte widerlegt sind, 
einfach ignoriert und die Witteschen Behauptungen unentwegt wieder 
vorgetragen. Daß Helfferich sich lediglich an Wittesche Quellen hält, 
muß um so mehr befremden, als er dessen System früher selbst äußerst 
zutreffend geschildert hat. Sehr glücklich macht der erwähnte Artikel 
Nordens im Berliner Tageblatt auf folgende 1901 gemachte Ausführungen 
Helfferichs über Rußland aufmerksam^) 
„Sie haben dort ein autokratisches Regiment, das die Opposition 
der Landwirtschaft gegen eine übertriebene Begünstigung der Industrie 
einfach ignorieren kann und ignoriert hat. Sie haben dort einen ziel 
bewußten und energischen Minister, der sich die Erziehung einer leistungs 
fähigen Industrie zur Lebensaufgabe gemacht hat. Sie haben dort 
nicht nur hohe Zölle auf Jndustrieprodukte, sondern auch umfangreiche 
direkte Staatssubventionen für industrielle Betriebe. Und alle diese 
Anstrengungen, dieses ganze Aufgebot von Mitteln 
hat nicht viel mehr erreicht, als daß Rußland nach 
kurzem Aufblühen der industriellen Tätigkeit in 
eine überaus schwere Krisis verfallen ist, die es trotz 
aller Staatshilfe um viele Jahre in seiner Entwick 
lung zurückwirf t." 
Witte gegen Schließlich sei bemerkt, daß als Autorität gegen Helfferich — 
Helfferich. auch noch der Finanzminister Witte ins Feld zu führen ist. — In der 
Plenarsitzung des russischen Rcichsrats vom 30. Dezember 1902 (12. Ja 
nuar 1903) lag ein Bericht Wittes vor, in welchem er ausführt, daß 
die Zuschüsse der Krone für die Eisenbahnen 2,6 Millionen Rubel 
betragen haben, 1901, nach vorläufiger Feststellung der Reichskontrolle, 
dagegen 32,9 Millionen. Für 1902 seien die Zuschüsse auf 45, 
1903 auf 51 Millionen Rubel zu schätzen, einschließlich der 
ostchincsischen Eisenbahn auf 60 Millionen. Nach Fertigstellung der 
neuen Linien Ribinsk-Bologoj und Orenburg-Taschkent könne 1905 das 
Defizit die Höhe von 84,5 Millionen Rubel erreichen. 
Hierzu bemerkt Paul Rohrbach?): Diese Zahlen sind insofern falsch, 
Handelspolitik. Vorträge. Verlag von Duncker & Humblot, Leipzig. Vergleiche 
hier die schwache Entgegnung Helfferichs in seinem Bache (S. 49). 
2) Die Zeit, 4. Juni 1903, S. 297.
	        
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