Full text: Russlands Bankerott

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Erstes Nachwort. 
(16. September 1905.) 
Der russische Finanzminister hat erklären lassen, daß er eine Er- Ankündigung 
wtderung dem bekannten Martinschen Buch widmen würde, um die dort einer russischen 
angeführten Einzelheiten bis ins einzelste zu widerlegen. Das wäre kein Widerlegung. 
Meisterstück. Ich habe bereits bei der Besprechung des Buches darauf hin 
gewiesen, daß der volkswirtschaftliche und statistische Teil der Martin 
schen Ausführungen außerordentlich oberflächlich sei und dort, wo er Neues 
bietet, kaum zu verteidigen sei. Aber das gerave ist ja charakteristisch 
für die Wittesche Politik, daß man auf die schwerwiegenden Angriffe, 
die seit einem Jahrzehnt beinahe gegen die russische Finanzgebarung 
erschienen sind, geschwiegen hat, daß man aber antwortet, sobald ein 
schwacher Gegner auf dem Plan erscheint, dessen Phantasien man aller 
dings leicht mit kräftigen Streichen zusammenhauen kann. Insofern ist 
für den berechtigten Kampf gegen die gröbliche Täuschung der öffent 
lichen Meinung durch die russischen Gewalthaber das Erscheinen des 
Martinschen Buches geradezu ein Unglück gewesen. Denn es gibt dem 
rührigen Herrn Witte jetzt willkommene Gelegenheit, der Oeffentlichkeit 
wieder Sand in die Augen zu streuen. Und es wird schwer halten, 
das Wittesche Lügengewebe von neuem zu entwirren. Man darf ja über 
haupt auf das gespannt sein, was jetzt in Rußland an Schönfärberei 
geleistet werden wird. Schon ist die Erklärung veröffentlicht worden, 
daß die nächste Etatsaufstellung sich vorzüglich ausnehmen wird, daß 
alle ordentlichen Ausgaben durch ordentliche Einnahmen gedeckt werden. 
Daß Herr Witte Etats aufmachen kann, wird ihm niemand bestreiten. 
Er ist ein kluger, fleißiger und gewandter Mann, und manches, was 
er sicher als Privatmann nicht zu tun wagen würde, glaubt er als 
warmherziger Patriot und ergebener Diener seines Kaisers im Interesse 
des Staates tun zu müssen. Freilich muß er es sich auch gefallen 
lassen, daß man im Ausland, wo die Presse nicht an ministerielle 
Weisungen gebunden ist, die Staatsbilanz, die er aufstellt, einer pein 
lichen Prüfung unterzieht. Man wird übrigens gut tun, mit dieser 
Prüfung nicht bis zum Erscheinen des Etats zu warten, sondern schon 
die Ausweise der russischen Staatsbank einer kritischen Betrachtung zu 
unterziehen, die nach mancher Richtung hin recht lehrreiche Resultate 
ergibt. Der letzte Ausweis vom 29. August zeigt, daß der Notenumlauf 
^jch seit der Vorwoche von 1,04 auf 1,06 Milliarden Rubel erhöht hat. 
Inzwischen ist die Notenemission weiter auf rund 1,1 Milliarde ge 
stiegen. Mithin ist der Notenumlauf des russischen Staates seit dem 
Ausbruch des Krieges von 630 Millionen auf 1100 Millionen ange 
wachsen. Im letzten Ausweis wird ein ganz erhebliches Guthaben des 
russischen Staates bei der Reichsbank ausgewiesen. Andererseits aber 
sind die der Bank gehörigen Fonds von 54 auf 91 Millionen ge 
stiegen, d. h. aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt, daß der Staat 
wohl seine baren Schulden bei der russischen Reichsbank beglichen hat,
	        
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