Full text: Russlands Bankerott

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Deroute der 
Ruffenwerte. 
Bezahlte 
Ehrenrettung. 
Die Lüge 
vom ordent 
lichen Budget. 
Kreise hinsichtlich der russischen Anleihen bemächtigt. Die scharfe Deroute 
der Russenwerte der vorigen Woche hat bewiesen, daß ohne die üblichen. 
Jnterventionskänfe die Kurse nicht zu halten sind. Dieser schlechte Eindruck 
muß jetzt mit allen Mitteln verwischt werden. Es ist natürlich das gute 
Recht der russischen Interessen, dem Urteil Pessimistischer Kritiker die 
Argumente entgegenzustellen, die ihrer Ansicht nach für die Bonität der 
russichen Anleihen sprechen. Eine solche Abwehr gegen die ruffenfeindkiche 
Kritik ist in den letzten Tagen in Gestalt einer Artikelserie in der Vossischen 
Zeitung erschienen. Man hat sich dieses Blatt für jene Publikation aus 
gesucht, weil es seine Leser in den reichen Berliner Kreisen hat und außer 
dem gerade in finanzpolitischer Hinsicht durch ein ruhiges Urteil bisher aus 
zeichnete. Ich weiß nicht, ob der Vossischen Zeitung daran lag, diese günstige 
Meinung über ihre Besonnenheit zu zerstören, oder ob sie wirklich die Dumm 
heit der Welt ungestraft ausschlachten zu können meinte. Jedenfalls, stellen 
die Russenartikel des Blattes das Tollste dar, was bisher an lügenhaften 
Entstellungen der russischen Finanzverhältniffe geleistet worden ist. Bei einiger 
Aufmerksamkeit hätte es der Redaktion des Blattes nicht entgehen dürfen, 
daß entweder ein vollkommen kenntnisloser oder ein bezahlter Skribent ihr 
diese blamablen Aufsätze angehängt haben kann. 
Das Ansehen, das die Vossische Zeitung genießt, könnte schone allein 
genügen, um mich zu einer näheren Beleuchtung des Inhalts jener Finanz 
rettung zu veranlassen. Aber sie scheint mir auch schon deshalb geboten, weil 
der famose Verfasser von Schriftstellern spricht, die geflissentlich Beunruhigung, 
ins deutsche Publikum hineintragen, es aber durchaus unterlassen haben, für 
ihre Angaben wirkliche, auf realer Grundlage beruhende Tatsachen anzu 
führen. Ich habe — in meiner Broschüre „Armes reiches Rußland" —- 
ganz ausführlich dargelegt, aus welchen sachlichen Gründen mein pessimistisches- 
Urteil über die Zukunft Rußlands in finanzieller Beziehung resultiert. Auf 
diese Ausführungen sind von amtlicher Seite ebensowenig irgendwelche Er 
widerungen erfolgt, wie auf all das, was über dasselbe Thema seit Jahren 
geschrieben worden ist. Nicht einmal auf die teilweise sehr schwach gestützten 
Ausführungen Martins hat man sich zu einer Entgegnung, herbeigelassen. 
Der Grund war einfach; Man konnte nichts erwidern. Jetzt kommt nun 
irgendein Beauftragter des Hauses Mendelssohn, oder irgendeines andernr 
Interessenten, der sich wohlweislich hütet, mit seinem Namen hervorzutreten, 
der vielleicht inr eigenen Blatt sich nicht einmal seine Ergüsse abzudrucken 
getraute, und wagt es, Schriftsteller, die das, was sie schrieben, mit ihrem 
Namen und ihrer Reputation deckten, der Gewissenlosigkeit zu zeihen. Und 
derselbe Mann, der den Borwurf erhebt, daß ein grausames Spiel mit dev 
Unwissenheit des Publikums getrieben worden sei, spekuliert in allein, was 
er sagt, auf die allergröbste Unwissenheit. Er bringt kein einziges neues 
Argument bei, sondern zieht wieder alle alten Ladenhüter hervor, deren 
Zerschlissenheit bereits seit mindestens sechs Jahren aller Welt offenbar ist. 
Zunächst debütiert er selbstverständlich mit der Behauptung, daß das 
ordentliche Budget Rußlands pro 1905 Einnahmen von rund 2 Milliarden 
Rubel ausweise, und daß diese Einnahmen zum großen Teil wie in Preußen 
auf dem Erträgnis von Staatsbetrieben, z. B. von Eisenbahnen beruhen. 
Diesen Einkünften gegenüber betrage das Bedürfnis an Zinsen und Rück-
	        
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