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Zum Schluß scheint es mir notwendig, noch eins der Mittelchen auf- Die Lüge vom
zudecken, mit denen für die Glorie der russischen Finanzen gearbeitet wird. Gold-
Schon der Artikelschreiber der Vossischen Zeitung fabelt von einem enormen guthaben,
russtschen Goldguthaben im Ausland. Seine Fabel wurde unterstützt durch
die mehr als auffallende Meldung des Petersburger Korresspondenten der
Frankfurter Zeitung, das Rußland ein Guthaben von über eine Milliarde
Francs, d. h. also von etwa 400 Millionen Rubel im Auslande habe. Die
Vossische Zeitung greift diese Meldung triumphierend auf, verrät aber in
ihrer Freude leichtsinnigerweise, daß diese 400 Millionen Rubel sich aus
125 Millionen Rubel wirklichen Staatsguthaben und aus 275 Millionen
Rubel Guthaben der russischen Reichsbank zusammensetzt. Dadurch wird der
ganze Humbug entschleiert. Denn während der Eindruck erweckt werden soll,
daß(es sich um ein zur Disposition stehendes Guthaben handelt, ist es
doch ganz klar, daß die 275 Millionen der russischen Staatsbank kein freies
Guthaben darstellen, sondern vielmehr einen integrierenden Bestandteil des
-Gesamt-Goldschatzes der Reichsbank ausmachen, der zur Deckung der um
laufenden Noten dient.
Ich denke, es ist genug des grausamen Spiels. Man kann diese Pro
pheten der Lüge sich selbst überlaffen. Aber wie schlecht muß es um eine
Sache bestellt sein, die nur noch solche Ritter der Geistlosigkeit zu Landes
beschützern zu werben vermag?
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Nachwort.
(14. April 1906.)
Die deutsche Regierung hat es also endlich aufgegeben, den Russen
kurs zu stützen, sie hat das deutsche Publikum — wenn auch sehr spät
— gewarnt, und gemäßigte, den Regierungskreisen nicht fern stehende
Blätter, wie die Magdeburgische Zeitung, raten den Kapitalisten, ihren
Russenbesitz über die französische Grenze abzuschieben. Das ist natür
lich dem Russenkonsortium und dem Hause Mendelssohn höchst unbequem,
und diese Interessenten sammeln einen Teil der Berliner Presse um
sich, der ihren Einflüsterungen gläubig Gehör schenkt. Aber nicht nur,
daß diese Blätter unausgesetzt an dem trüben Bilde, das die russische
Finanzlage bietet, herumretouchieren, sogar über ihren Inseratenteil
ist eine scharfe Zensur verhängt, damit auch nicht von fremder Hand
etwa die Aufklärung in die Reihen ihrer Leser getragen werden könnte.
Meine Leser wissen, daß im letzten Heft des Plutus eine Artikel
serie über den russischen Staatsbankerott zu erscheinen begonnen hat.Z
Diese Aussätze enthalten eine Reihe neuer Gesichtspunkte für die Beur
teilung der Situation, und ich hatte deshalb den Wunsch, von ihrem
Erscheinen auch denjenigen Interessenten, die nicht zu den ständigen
Die Deutsche
Regierung ver
läßt das
sinkende
Russenschiff.
Zurückweisung
von Annoncen.
9 Tr sind das die erste» drei Aussätze dieser Sammlung.