Full text: Russlands Bankerott

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fallen taffen müssen, als sie zum tausendsten Male Herrn b. Gerlach und 
Herrn Pfarrer Naumann mit dem Stigma des Antisemitismus zu belasten 
suchte; man weiß, daß sie Personen, die ihr politisch oder persönlich unan 
genehm sind, auf die perfideste Weise totschweigt, daß sie Versammlungberichte 
fälscht, indem sie die Reden solcher Leute — auch wenn sie im Stenogranim 
viele Seiten füllen und von lebhaftem allseitigen Beifall begleitet wurden — 
.einfach aus den Berichten herausstreicht. Trotz alledem wird sie von den Un 
eingeweihten noch immer für ein Palladium des Anstandes gehalten, glauben 
Kapitalisten an ihre gerechte Objektivität in finanzpolitischen Fragen. Dabei 
hat das Blatt gerade in der russischen Frage seine Leser völlig düpiert. Der 
Regierungsrat Rudolf Martin, der soeben ein neues Buch über „Die Zukunft 
Rußlands" hat erscheinen lassen, das, obwohl eS im wesentlichen eine Neu 
auflage seines ersten Buches und vielfach mit recht aufdringlichem Selbstlob 
durchsetzt ist, durch Fortlassung der wesentlichsten finanziellen und volkswirt 
schaftlichen Ungeheuerlichkeiten jetzt viel lesenswerter geworden ist, schreibt 
über die Vossin: „Der Berliner Bürger, der in den Jahren 1786—89 zum 
Frühstück die Vossische Zeitung las, mußte von Tag zu Tag durch die vor 
züglichen Berichte ihres Pariser Korrespondenten immer mehr zur Erkenntnis 
kommen, daß die finanziellen Verlegenheiten Frankreichs beitrügen, eine 
Revolution herbeizuführen. Sein Urenkel, der die Vossische Zeitung in den 
Jahren 1902—1905 zu lesen pflegte, konnte diesen Eindruck bei der Lektüre 
der Nachrichten über Rußland in keiner Weise gewinnen." Bis vor einem 
Jahre etwa brachte der Handelsteil der Vosstschen Zeitung manchen wertvollen 
Beitrag zur Charakteristik der russischen Finanzgebarung. Aber inzwischen 
war ich an dieser Stelle aufzudecken gezwungen, daß die Vossin anscheinend 
von interessierter Seite inspirierte Artikel über die russischen Finanzen publi 
zierte, die die Tatsachen fälschten und mit alten, längst ausrangierten Laden- 
hütern operierten. Das hat aber die Redaktion des Blattes nicht daran ge 
hindert, bei der Besprechung des Martinschen Buches — dessen Schwächen 
anläßlich der ersten Ausgabe kaum jemand schärfer als ich betont hat — 
seinen Lesern jetzt wieder dieselben Verdrehungen aufzutischen. Dabei hat ste 
nicht einmal den Mut ihrer Meinung. Und wenn sie in zwei Spalten dem 
Leser nachgewiesen hat, daß der russische Himmel voller Geigen hängt, so 
schließt sie ständig mit der reservatio: „Aber wir wollen die Leser nicht in 
Sicherheit wiegen." 
Doch das alles gehörte noch zur ersten Phase des Kampfes für Rußlands 
Ehre und Größe. Jetzt tritt die Expedition der Vossin auf den Plan und 
säubert den Inseratenteil von finanziellen — Anständigkeiten. 
Der Kampf mit geistigen Waffen hat aufgehört. Die öffentliche Meinung 
wird mit Nagaiken totgeschlagen. Kosakenpreffe! 
Martin über 
die „Voß". 
Kosakenpreffe.
	        
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