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Die Peters
burger Stra
ßenrevolte
(Mendekesoßne.
(28. Januar 1905.)'
Zehn Tage nachdem die Subskription auf
324 Millionen Mark russischer 4 1 / a % iger An
leihe kurz nach der Eröffnung wegen angeblicher
enormer Ueberzeichnung sofort wieder hatte ge
schlossen werden müssen, krachte aus einem
Salutgeschütz eines russischen Leibartillerie
regiments der Kartätschenschuß, der das Signal
zur Petersburger Straßenrevolte, wenn auch
vielleicht nicht sein sollte, so doch war. Am
nächsten Tage sanken die russischen Renten
nahezu auf den Emissionskurs zurück, nachdem
man sie vorher mit stolzer Prämie tagelang ge
handelt hatte.
Für den Teil der deutschen Bevölkerung,
der russische Anleihen im Besitz hat, sie womög
lich mit Sperrverpslichtung jüngst erst erwarb,
ist jetzt das Kaiserwort: „russische Trauer —
deutsche Trauer" buchstäblich wahr geworden.
Man kann diese Leute nicht bedauern. Wer
nach all den Warnungen, die in der unab
hängigen Presse veröffentlicht worden sind, sein
Geld dem Zarenreiche zur Verfügung stellte,
hat die bangen Stunden, die er jetzt durchlebt,
sich selbst zuzuschreiben. Er hat jetzt Zeit, sich
die Frage zu beantworten, ob das bißchen Mehr
an Zinsen zusammen mit dem Zukunstsgewinn
von 5°/g genügende Entschädigung für die vielen
Sorgen bietet.
Ob der einzelne verliert oder gewinnt, ist
nicht meine, ist seine Sache. Aber die Verluste
der einzelnen zusammengenommen bilden die
Verluste des Nationalvermögens. Und deshalb