Full text: Russlands Bankerott

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muß sich wohl oder Übel die öffentliche Kritik 
mit der Tatsache besassen, daß kurz vor einer- 
politischen Katastrophe der deutsche Geldmarkt 
mit einer russischen Anleihe beschenkt wurde. 
Wer trägt die Verantwortung? Rrrssische 
Anleihen haben von jeher, viel mehr als alle Die Verant- 
übrigen Auslandswerte, in Deutschland als Ortung f?* 
politische Anleihen gegolten. Seitdem am 10. No- Kapital- 
vember 1887 die' Reichsbank den russischen Verluste 
Papieren auf Bismarcks Geheiß die Beleihung 
weigern mußte, ist dieser Charakter gewissermaßen 
amtlich publiziert worden. Von da ab hat 
man sich gewöhnt, die Stellung unserer Finanz 
welt zum russischen Pumpbegehren als Maßstab 
für Gunst oder Ungunst der politischen Be 
ziehungen beider Länder anzusehen. Und — 
wahrscheinlich mit Recht — hat man auch die 
letzte russische Anleihe als ein politisches Er 
eignis, als den deutschen Kaufpreis für einen 
russischen Handelsvertrag mit Konzedierung der 
Minimalzölle auf Agrarprodukte betrachtet. Ich 
sagte das im Juli voraus und warnte damals: 
„Eine neue russische Anleihe, womöglich gar 
unter Patronanz des Reiches, wäre im Augen 
blick eine öffentliche Gefahr. Ein Handels 
vertrag, der nur durch die Heraufbeschwörung 
dieser Gefahr erkauft werden könnte, sollte 
besser ungeschlossen bleiben." Graf Bülow hat 
sich über alle damals geltend gemachten Be 
denken hinweggesetzt. Ihn trifft, wenn er sie 
nicht auf die Reichstagsmehrheit, die die Mini 
malzölle akzeptierte, zurückwälzen will, die volle 
Verantwortung. 
Freilich, der Prospekt und die Einladung 
zur Zeichnung der neuen Anleihen trugen das Mmdelssohns 
Signum Bernhard von Bülows nicht. Als n ' § haus 
Emissionsfirma fungierte Berlins, ja Deutsch 
lands erstes Bankhaus, die Firma Mendelssohn 
& Co. Es ist einer von den merkwürdigen 
Zufällen, an denen nicht nur die Welt-, sondern 
auch die Finanzgeschichte so reich ist, daß gerade 
dieses Bankhaus finanzieller Sachwalter der 
größten europäischen Despotie ist: Der Urahn,
	        
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