Full text : Russlands Bankerott

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Deutschland
zahlt  den
Tabak  für  die
Friedenspfeife

Rußland  int  reaktionären  Dreibund  aber  wird
weiter  mit  dem  alten  Regime  fortzuwursteln
suchen.
Nun  gebe  ich  ohne  weiteres  zu,  man  kann
der  Ansicht  sein,  ein  autokratisch  regiertes
korrumpiertes  Rußland  sei  für  uns  wirtschaftlich ­
  weniger  gefährlich,  als  ein  freiheitliches,
das  all  seine  großen  wirtschaftlichen  Kräfte  voll
entfalten  kann.  Allein  man  vergesse  nicht,  daß
die  neue  Entente  sich  zunächst  zu  finanziellen
Zwecken  bilden  will:  Zweie  solleil  geben,  einer
will  nehmen.  Deutsche  Kapitalisten  sollen  mit
lieueil  russischen  Anleihen  bepackt  werden.  Ich
habe  oft  schon  an  dieser  Stelle  sehr  ernste  Bedenken ­
  gegen  die  russische  Finanzgebarung
geltend  genracht  und  kann  jetzt  so  wenig,  tote
ich  es  früher  konnte,  dein  deutschen  Publikum
raten,  russische  Anleihen  zu  kaufen.  Denn  bevor ­
  Rußland  ilicht  dem  Ausland  eine  europäische ­
  Finanzkontrolle  oder  den  eigenen  Untertanen
eine  Verfassung  zugesteht,  ist'  das  Land  nicht
kreditwürdig.  Dilrch  den  jetzt  projektierten
Dreibund  aber  wird  die  Möglichkeit  eines
liberalen  Regierungsystems  itt  weite  Ferne
gerückt.
Ich  bin  nicht  hellhörig  genug,  um  zu
ivisseii,  was  die  Monarchen  aus  dem  Polarstern
lniteinander  gesprochen  haben,  und  zu  wenig
geistreich,  un:  Betrachtungen  darüber  anzustellen,
was  sie  gesprochen  haben  könnten.  Aber  ob
Rußlands  finanzielle  Situation  zur  Sprache
gekommen  ist  oder  nicht,  wemr  die  Könige  sich
umarmen,  bekommen  die  Bankiers  glltes  Wetter.
Daß  sie  es  augenblicklich  brauchen,'  steht  außer
allem  Zweifel.  Denn  auch  wenn  man  nicht
wüßte,  daß  Witte  mit  Mendelssohns  in  Berlin
und  mit  Hoskier  und  Rothschilds  Bevollmächtigten ­
  in  Paris  konferiert  hat,  daß  Rußland
  eine  neue  große  Anleihe  aufnehmen
muß  und  jetzt  schon  vorbereitet,  wird
niemand  bestreiten  wollen.  Da  macht
eine  Kaiserreise  gute  Reklame.  Einst  fuhr
Nicolai  an  die  Seine,  als  Herr  Witte  dort
            
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