Full text: Russlands Bankerott

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schen Blattes — in diesem Vorgehen sogar 
einen Liebesdienst gesehen zu haben, der 
Deutschland dem östlichen Nachbar gegenüber 
su Dank verpflichtet. Ob diese Annahme auch 
nur einen Schein von Berechtigung für sich hat, 
vermag allein derjenige zu entscheiden, der weiß, 
ob und was hinter den Kulissen der Marokko 
tagung gespielt und ob es wirklich einen 
Moment aus jener Konferenz gegeben hat, in 
dem man es in der Wilhelmstraße dankbar 
empfinden mußte, daß von irgendwoher durch 
einen Gewaltakt klare Situation geschaffen 
wurde. Nur wer das zu entschleiern weiß, wird 
auch aufzuhellen vermögen, weshalb die Nord 
deutsche Allgemeine Zeitung entgegen der ge 
samten öffentlichen Meinung keine Brüskierung 
des Deutschen Reiches in der Lambsdorff-Depesche 
zu sehen vermochte. 
Aber wie dem auch sein mag. Aus gar 
keinen Fall konnte der spii-itu8 rsotor jenes 
Artikels ganz wenige Wochen später den Reichs 
boten erklären, die Nichtzulassung der russischen 
Anleihen sei aus politischen Gründen erfolgt. 
Gab es da eine billigere Ausrede als den 
eigenen Geldbedarf? Gewiß nicht. Und doch 
wollte der Reichskanzler sie nicht anwenden. 
Wie mir bestimmt versichert ward, wurde 
am Morgen jenes Tages, an dem der Kanzler 
plötzlich von einem Uebelsein befallen worden 
ist, Journalisten im Auswärtigen Amt mit- 
geteilt, Fürst Bülow werde sich dahin äußern, 
daß die innere Lage Rußlands zu ungeklärt 
sei, als daß man die Emission einer großen 
Anleihe jetzt zulassen könne?) Vor einem Jahr 
las man's anders. Inzwischen ist allerdings 
manch Ereignis eingetreten, das die finanz 
politische Lage im Reußenreiche auch dem kurz 
sichtigsten Auge in einem anderen Lichte als vor 
zwölf Monaten erscheinen läßt. Freilich, der 
Staatsmann, der an der Spitze eines großen 
Reiches steht, durfte auch damals nicht sich deni 
Urteil der Finanzkundigen verschließen. Aber 
i) Vergleiche de» Aufsatz: „Fürst Bülow als Finanzprophel." 
Fürst Bülow's 
Bekehrung
	        
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