Full text: Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

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Wirtes fast ausschließlich. Die Speisen müssen fast ohne 
Nutzen, manches Mal unter dem Einkaufspreis hergegeben ' 
werden, sie sind die Zugmittel. Das alles erklärt die Preis 
unterschiede von Provinz zu Provinz. 
Nun ein Wort über die wirtschaftlicheLage von Gastwirt und 
Wirtsgewerbe. Auch das Gastwirtsgewerbe war einmal, gleich 
wie das der Brauerei ein lohnendes. Auch hier hat sich das 
geändert. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Jeder, gleich 
viel aus welcher Lebensstellung er gekommen, ob er mit Glück 
oder Unglück gearbeitet, jeder fühlt sich immer noch berufen, es 
auch einmal im Gastwirtsgewerbe zu versuchen. Dabei führt ja 
natürlich auch dieser Wechsel manches Mal zum Guten. 
Oft geschieht dies jedoch sehr zu ungunsten des Gewerbes. Zu 
einem ordentlichen Gastwirt gehört ein sehr tüchtiger, fleißiger, 
sparsamer und mit seinem Geschäft vertrauter Mann. Dieser 
allgemeine Andrang zum Gastwirtsgewerbe führte nun — wie 
natürlich — auch hier zum Überbieten. Der uns zur Verfügung 
stehende Raum versagt es, näher auf diesen Gegenstand ein 
zugehen. Hier sei deshalb nur festgestellt, daß in ganz Deutschland 
das Gastwirtsgewerbe im allgemeinen ein weniger lohnendes 
geworden ist, und daß dieses Gewerbe vielfach sehr schwer um 
seine Existenz ringen muß. Es ist denn auch voll begründet, 
wenn in der Berliner Protestversammlung des norddeutschen 
Braugewerbes gegen die Brausteuererhöhung vom 10. De 
zember 1905 der erste Vorsitzende des Bundes deutscher Gast 
wirte, Herr Steher-Leipzig, verkündete: 
„Im Namen des von mir vertretenen Bundes 
deutscher Gastwirte mit 40 000 Mitgliedern erkläre ich 
mich mit dem Vorstand des Deutschen Brauerbundes 
vollkommen einverstanden. Wir gehen Hand in Hand 
mit Ihnen und erklären, daß wir die Brausteuer 
bzw. die Erhöhung derselben nicht tragen können, 
sondern daß wir sie auf die Konsumenten ab 
wälzen müssen, sei es in der Art, daß wir sie 
aufs Bier aufschlagen, sei es in der Art, daß wir sie 
auf die Speisen aufschlagen, jedenfalls müssen die 
Konsumenten sie tragen, wir können sie nicht 
tragen." 
Betrachten wir nun unsere hiesigen Verhältnisse bezüglich 
der Bierfrage etwas näher. Wir haben eS da — im all 
gemeinen — mit vier verschiedenen Verkaufspreisen für hiesige 
Lagerbiere zu tun. Es werden bei uns abgegeben: 
1. S /to Liter zu 10 Pf. — 20 Mk. fürs Hektoliter 
2. 7.o „ 12 „ = 24 
3. 7t. 13 „ = 26 
4. 7.0 » n 10 „ = 25 „
	        
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