Full text : Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

36

Surrogaten.  Die  Herbstzeitlose  wird  verwendet,  hört  man  sagen.
Hat  das  schon  jemand  gesehen?  Nein,  das  wird  ganz  im  geheimen
gemacht.  Die  deutschen  Brauereien  verkaufen  jährlich  für
eine  Milliarde  Bier,  und  die  Stoffe  dazu  werden  in  der
Westentasche  fortgetragen.  Wunderbar!  Wenn  eine  Hopfenhandlung ­
  nur  1000  Ztr.  Herbstzeitlose  bestellen  würde,  könnte
das  wohl  so  ganz  im  geheimen  gemacht  werden?  Und  was
sind  1000  Ztr.  für  den  Hopfenhandel?  Eine  kleine  Spielerei.
Würde  man  wohl  1000  Ztr.  Herbstzeitlose  billiger  beschaffen
können  als  1000  Ztr.  Hopfen?  Doch,  lassen  wir  das,  das  ist  auch
nur  eine  kleine  Spielerei,  des  Gegenbeweises  bedarf  es  nicht;
stellen  wir  fest,  daß  es  Hopfensurrogate  überhaupt  nicht  gibt.
Dagegen  gibt  es  Malzsurrogate.  Zunächst  wurde  und
wird  noch  in  verschiedenen  Fällen  Reis  verwendet  an  Stelle  des
Malzes.  In  Thüringen  ist  die  Reisbrauerei  längst  verschwunden.
Die  Reisbiere  geben  größere  Haltbarkeit  und  sind  aus  diesem
Grund  nicht  ganz  zu  entbehren  für  den  überseeischen  Versand.
Deshalb  verbietet  der  Entwurf  den  Reis  auch  nur  für  den
inländischen  Verbrauch.  Letzteres  jedenfalls  mit  Recht,  denn
Reisbiere  haben  höheren  Alkoholgehalt  als  Malzbiere.
Danil  wird  als  Surrogat  Zuckercouleur  verwendet,  also
ein  zuckerhaltiger  Färbestoff.  Auch  da  handelt  es  sich  in  der
Hauptsache  um  Bekämpfung  eines  Borurteils.  Es  ist  wohl
schon  über  ein  halbes  Jahrhundert  her,  als  noch  allein  die
alte  Rauchdarre  herrschte.  Je  mehr  Malz,  nicht  nur  desto
stärker,  sondern  auch  desto  dunkeler  wurde  das  Bier.  Die
Darren  haben  seitdem  Verbesserungen  aus  Verbesserungen  erfahren, ­
  das  Malz  ist  längst  nicht  mehr  braun,  es  ist  licht;
schon  seit  Jahrzehnten  hat  die  Farbe  des  Bieres  auch  nicht
das  geringste  mehr  zu  tun  mit  der  Güte  und  der  Stärke  des
Bieres,  doch  das  Vorurteil  ist  geblieben,  starkes  Bier  muß
dunkel  sein,  lichte  Biere  sind  leichte  Biere.  Man  kann  ja
auch  heute  noch  dunkele  Biere  ohne  Surrogate  herstellen,
durch  Farbmalz  und  Farbebier.  Letzteres  ist  aber  viel  teurer.
Die  Verwendung  von  Zuckercouleur  ist  einfacher  und  wesentlich ­
  billiger,  deshalb  ist  dieses  Surrogat  heute  noch  vielfach
in  Anwendung.  Die  größereil  Brauereieil  haben  diesen
Verbrauch  immer  mehr  abgestoßen.  Sie  mußten  ihn  abstoßen ­
  aus  Gründen,  die  noch  erörtert  werden  sollen.  Der
Umstand,  daß  die  anderen  Verfahren  teuerer  sind,  konnte  die
größeren  Brauereien  nicht  davon  abhalten,  diese  zu  gebrauchen
und  sich  von  den  Surrogaten  zu  befreien.
Weiter  gibt  es  als  Surrogate  noch  eine  Reihe  von
Süßmitteln.  Der  Malzgeschmack  soll  nachgeahmt,  die  Biere
sollen  vollmundiger  gemacht  werden.  Nach  den  Anpreisungen,
mit  welchen  die  Brauereien  überschüttet  werden,  muß  es  wohl
eine  ganze  Anzahl  solcher  Mittel  geben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.