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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
welt des Ostens führen und die augenblicklich so beliebt sind. Ich bin
sprachlos.“
„Das merkt man am Fluß der Rede!“ neckte Gräfin Hella. „Ich habe
das Buch als Beweis für meine von Ihnen bestrittene Behauptung mit-
gebracht, daß unsere modernsten Schriftsteller ihre Romane erfreulicher-
weise nicht mehr in Phantasiehotels mit Phantasienamen spielen lassen,
sondern in Häusern, die wir kennen. Das macht die Sache für den Leser
viel interessanter. Es fesselt ihn, die Geschichte wird glaubhaft und — —
das Hotel hat eine wunderschöne, unbezahlbare Reklame.“
„Zugegeben“, nickte Lassen, bot der Gräfin eine Zigarrette an und
zündete sich ebenfalls eine an. „Aber Ker Ali? Ein Roman, dessen Helden
im halbkultivierten asiatischen Osten herumabenteuern? Das Hotel
möchte ich sehen, das darin empfohlen wird.“
Gräfin Hella schlug die ersten Seiten auf und triumphierte: „Etsch.
Der Roman beginnt in einem deutschen Krähwinkel. Nämlich in Berlin.
Hier steht es, auf Seite sieben: Da ich selten imstande bin, den Tag
meiner Ankunft auch nur ungefähr zu bestimmen, war ich im Hotel
abgestiegen — dem ersten Hotel von Berlin.“
Lassen lächelte mitleidig: „Dem ersten Hotel von Berlin! Und diesen
Gemeinplatz nennen Sie eine wunderschöne, unbezahlbare Reklame für
das also gepriesene Hotel? Fragen Sie einmal in den Hotels herum,
wieviele sich für das erste von Berlin halten!“
Gräfin Hella fuhr von oben herab fort: „Ausreden lassen, mein Lieber.
Auf Seite acht heißt es dann: Doktor F. R. Nord ist im — — —*
„Im Mammut-Hotel!‘“ unterbrach Lassen die reizende kleine Frau
lebhaft. „Selbstverständlich im Mammut.“
„Nein! Herr Nord nennt ein anderes Hotel als das erste von Berlin,
und das ist es, was ich mißbillige. Qualitätsbestimmungen in solch aus-
gesprochener Form sind individuell und ein kluger Schriftsteller sollte
sie vermeiden. Es lassen sich auch andere schmückende Beiworte finden
oder erfinden. Wer von den Lesern ein anderes Hotel für das erste von
Berlin hält, der ärgert sich. So wie ich mich ärgere. Ich will mich aber
beim Lesen nicht ärgern. — Herr Direktor, Herr Direktor!“ rief die
temperamentvolle Gräfin einen Herrn an, der soeben mit einer verbind-
lichen Verbeugung am Tisch vorübergehen wollte.
„Gnädigste Gräfin?“ fragte der Direktor, während Graf Dux ihm
herzlich die Hand schüttelte und ihn rasch mit seinem Freund bekannt
machte: „Direktor Zorner, die sympathische Seele und Säule des Mammut,
Herr v. Lassen, ein Kollege und künftiger Konkurrent von Ihnen.“
„Ich wollte Sie in Ihrem angeregten Gespräch nicht stören, Frau
Gräfin, sonst hätte ich Sie selbstverständlich sofort begrüßt und in Berlin
willkommen geheißen. Womit kann ich dienen?“
„Sie sollen wie König Salomo ein weises Urteil fällen, Herr Direktor.
F. R. Nord schreibt in seinem Roman ‚Ker Ali‘ vom ersten Hotel von
Berlin, er nennt aber nicht das Mammut, sondern ein anderes Haus, Das
ärgert mich. Der Mann vergewaltigt das Urteil seiner Leser, Sagen Sie
mir, Herr Direktor: Welches Hotel ist nun eigentlich das erste von
Berlin?“