Object: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

Strukturwandlungen der Weltwirtschaft 
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IL. 
Mit dem genannten Vorbehalt sei die Aufmerksamkeit nunmehr zu- 
nächst auf diejenigen Strukturwandlungen innerhalb der Weltwirtschaft 
gerichtet, welche vornehmlich individualistisch marktwirtschaft- 
lich bedingt sind. Vorauszuschicken ist da ein Wort über die Trieb- 
kraft, die hier wirksam ist. Sie wurzelt im kapitalistischen Geist, 
der von dem Erwerbsprinzip und dem ökonomischen Rationalismus 
beherrscht wird. »... ein Geist mit ungeheurer Kraft zur Zerstörung 
alter Naturgebilde, alter Gebundenheiten, alter Schranken, aber auch 
stark zum Wiederaufbau neuer Lebensformen, kunstvoller und künst- 
licher Zweckgebilde« (Sombart). Oft genug ist dieser Geist geschildert 
worden. Für die Vergangenheit steht er unwandelbar im Gedächtnis. 
Niemand bestreitet, daß er es gewesen ist, der den großen Zug ins Inter- 
nationale moderner Wirtschaft bewirkt, das Abtasten der Erdoberfläche 
und die Ausbeutung ihres erreichbaren Inneren unter der Losung Geld — 
Ware — mehr Geld in die Wege geleitet und die Weltwirtschaft in ihrem 
heutigen Aufbau gestaltet hat. Kapitalismus ist im Wesen weltumspan- 
nend, welterobernd, kennt keine Grenzen des Gebiets und des Raumes. 
Nur für die Gegenwart läßt man diesen kapitalistischen Geist 
reinster Prägung nicht mehr gelten, sondern behauptet, daß er im Wandel 
der Zeit überwunden worden sei oder gar sich selbst überwunden habe. 
Das ist ein grundlegender Irrtum. Zwar gibt es zahlreiche Länder im 
alten Europa, in denen der Auswirkung kapitalistischen Geistes über 
die Verhütung von Entartung weit hinausgehende, lähmende Schranken 
gesetzt sind, oder wo er aus sich heraus dekadent geworden ist. In der 
übrigen Welt aber lebt dieser Geist, und seine Taten zeugen von ihm. 
Romantische Köpfe vertreten zuweilen den Standpunkt, daß der Hoch- 
kapitalismus in den Augusttagen des Jahres 1914 zu Grabe getragen sei 
und die Welt künftig — »hier stock’ ich schon«, denn welche Wirtschafts- 
weise künftig in der Welt nun eigentlich herrschen soll, lassen diese 
Spekulativen Geister zumeist unklar. Sie reden von weißem, neuerdings 
auch von gelbem und blauem Sozialismus oder erblicken gar im Wirt- 
Schaftssystem des Bolschewismus das eigentliche Ziel. Es bedarf jedoch 
des Grübelns nicht, denn im ganzen gesehen gibt es in diesem ent- 
Scheidenden Punkt nichts, was die künftige Gestaltung als problematisch 
erscheinen. ließe. Am kapitalistischen Ordnungsprinzip der Weltwirt- 
Schaft hat sich nicht nur nichts geändert, sondern es sprechen im Gegen- 
teil alle Gründe dafür, daß wir dem eigentlichen Zeitalter des Hoch- 
kapitalismus — Meister Sombart möge diese Ketzerei verzeihen — 
°rst entgegengehen, womit allerdings nicht gesagt sein soll, daß er die 
alten Ausdrucksformen beibehalten wird. Auch Kapitalismus und 
kapitalistischer Geist sind in einem Wandel begriffen, der jedoch
	        
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