Object: Das Recht auf Arbeit in geschichtlicher Darstellung

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eines jeden Tages um den ganzen Wert dessen, Was seine 
Bürger hervorgebracht hätten, reicher, als er am Morgen ge- 
wesen sei. Wenn also ein Staat ’/,0; 120, !/so der Geistes- 
oder Körperkräfte seiner Einwohner einen Tag unbenützt, un- 
beschäftigt lasse: so werde er am Abende dieses Tages um 
den Wert dessen, was diese unbenützt gelassenen Kräfte nütz- 
liches hätten hervorbringen können, ärmer sein — und was 
das schlimmste sei: keine Macht der Erde vermöge diesen 
Verlust wieder einzuholen.“ 
Gall denkt sich also, wie aus diesen Stellen hervorgeht, 
das Recht auf Arbeit als Mittel zur Verwirklichung des Rechts 
auf Existenz, worunter er den Anspruch auf Befriedigung der 
unentbehrlichsten Bedürfnisse in einer der Würde des Menschen 
angemessenen Weise versteht !). Gall steht übrigens hier voll- 
kommen unter der Einwirkung Fouriers, dem er auch zweifellos 
jas Schlagwort droit au travail entlehnt hat. 
Dasselbe gilt von Franz Stromeyer, dem eifrigen Vor- 
kämpfer des Fourierismus auf deutschem Boden. „In dem nicht- 
geschriebenen, aber in dem ewigen unverwüstlichen Gesetz- 
buche des Menschengeschlechtes, in der; Menschenbrust steht 
klar und deutlich geschrieben das unwidersprechliche 
und unveräusserliche Recht zur Arbeit?) d. h. das 
Recht eines jeden Mitgliedes der Gesellschaft, seine ihm in- 
wohnenden Kräfte und Fähigkeiten auf eine nützliche Weise 
zu bethätigen, und die Frucht dieser Bethätigung für sich in 
Anspruch nehmen. Aus diesem Urrechte des sozialen 
Menschen entspringt klar und deutlich die unabweisliche Folge, 
dass in dem ausgebildeteren Gesellschaftszustande und in der 
vereinigten Bethätigung der verschiedenen Industriekräfte 
(Grundeigentum oder Kapital, Talent und Arbeit), ein Jeder, 
welcher einen Beitrag: an solchen Kräften liefert, einen An- 
spruch hat, an dem Ertrage dieser vereinigten Industriekräfte in 
dem Masse Anteil zu nehmen, in welchem seine Mitwirkung auf 
die Grösse ‚und den Wert des Gesammtertrages Einfluss übte. 
Eine Gesellschaft, welche sich unfähig bekennt, dem unver- 
Ausserlichen Rechte eines jeden ihrer Mitglieder, dem Rechte 
zur Arbeit, Genüge zu leisten, spricht sich selber und ihrer 
eigenen organischen (restaltung das Todesurteil: eine (7esellschaft. 
1 TE e „Was könnte helfen?“ a, a. O. Finleitung p. 6. 
2) Sowohl Gall als Stromeyer übersetzen das fourieristische Schlagwort 
Aroit au travail mit: Recht zur Arhait.
	        
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